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Kein BAföG? Die 9 häufigsten Gründe & was du jetzt tun kannst (2026)

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BAföG abgelehnt? Die 9 häufigsten Gründe plus Lösungsweg: Widerspruch, elternunabhängiges BAföG, Wohngeld, Werkstudent. Stand 2026.

4 von 5 Studis müssen ihr Studium ohne BAföG finanzieren. In den letzten drei Jahren haben mich deshalb unzählige Studenten um Hilfe und Tipps gebeten. Dabei traten in ausnahmslos allen Mails, Kommentaren und persönlichen Nachrichten diese neun Probleme auf, die dazu führten, dass die Fragesteller kein BAFÖG mehr bekamen. Dabei hätte sich das leicht vermeiden lassen:

Kein BAföG wegen reicher Eltern

In den allermeisten Fällen ist wohl das Einkommen der Eltern schuld daran, wenn jemand kein BAföG bekommt. Dass deine Eltern über beide Ohren verschuldet sind, interessiert das BAföG Amt herzlich wenig. Deine einzige Chance wäre eine BAföG-Berechnung, bei der das Einkommen deiner Eltern nicht berücksichtigt wird. Die gibt es unter bestimmten Voraussetzungen. Teste hier, ob du die Voraussetzungen für elternunabhängiges BAföG erfüllst:

 

Kein Anspruch aufgrund deines Alters

Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass man nie zu alt für irgendwas ist, so kann man tatsächlich zu alt für Ausbildungsförderung sein. Seit dem 27. BAföG-Änderungsgesetz vom 01.08.2022 gilt einheitlich: Hast du bei Beginn deines Ausbildungsabschnitts das 45. Lebensjahr vollendet, bekommst du kein BAföG mehr – egal ob Bachelor oder Master. Ausnahmen gibt es bei Kindererziehung (Kind unter 14), schwerer Krankheit, Hochschulzugangsberechtigung über den zweiten Bildungsweg oder wenn du unverzüglich nach Wegfall des Hinderungsgrunds studierst. Rechtsgrundlage: § 10 Abs. 3 BAföG.

Wer den Bachelor erst spät macht, sollte den Master aber zügig dranhängen – die 45-Jahre-Grenze gilt für beide Ausbildungsabschnitte separat.

Die gute Nachricht: Ab dem 30. Lebensjahr bekommst du in der Regel elternunabhängiges BAföG, das Elterneinkommen spielt dann keine Rolle mehr.

Kein BAföG für Pflichtpraktika oder duales Studium

BAföG ist eine Unterstützung für finanziell schwache Auszubildende. Befindest du dich in einem bezahlten Pflichtpraktikum oder dualen Studium gilt dieses Einkommen als Ausbildungsvergütung und wird zu 79 % an dein BAföG angerechnet. Aus diesem Grund bekommen viele zumindest vorübergehend kein BAföG. Aber auch anderes Einkommen und Vermögen mindert deinen BAföG Anspruch. Ich habe dir deshalb eine Übersicht der BAföG Freibeträge zusammengestellt.

BAföG abgelehnt nach dem 4. Semester

​BAföG Empfänger sind dazu verpflichtet, ihren Leistungsstand der ersten vier Semester nachzuweisen. Das Amt will damit prüfen, ob du auch wirklich ordnungsgemäß studierst und sich die Investition in dich lohnt. Sollte sich herausstellen, dass dein Studienabschluss innerhalb der Regelstudienzeit unwahrscheinlich ist, wird dir ab dem 5. Semester kein BAföG mehr bewilligt. Aber auch hier gilt, keine Regel ohne Ausnahmen. Es gibt fünf Fälle, in denen dir ein Aufschub des Leistungsnachweises gewährt wird.

kein bafög mehr

KEIN BAföG nach der Regelstudienzeit

Die Förderungshöchstdauer beim BAföG korreliert mit deiner Regelstudienzeit. Egal wie lange du wirklich brauchst, spätestens mit Ende der Regelstudienzeit ist Schluss und du kannst dir neu überlegen, wie du jetzt deine Miete zahlst. Es sei denn, du erfüllst eine der Bedingungen für die Ausbildungsförderung über die Regelstudienzeit hinaus.

BAföG abgelehnt für dein Fernstudium

Fernstudenten steht BAföG nur zu, wenn sie in Vollzeit immatrikuliert sind und einen Abschluss erzielen, der dem normalen Präsenzstudium entspricht. Machst du also z.B. deinen Bachelor an der Fernuni Hagen, gelten für dich dieselben Regeln wie für alle anderen Vollzeitstudenten auch (§ 3 BAföG).

Für alle anderen Fernstudenten kann BAföG höchstens für die letzten beiden Semester gewährt werden. 

Kein Anspruch im Urlaubssemester und Teilzeitstudium

Solltest du, aus welchem Grund auch immer, vorübergehend vom Studium beurlaubt sein, hast du für diese Zeit keinen Anspruch auf BAföG. Ohne Ausnahme. Dasselbe gilt für alle, die offiziell als Teilzeitstudenten immatrikuliert sind.

Da du als solches nicht den vollständigen Studentenstatus genießt, stehen dir allerdings dieselben staatlichen Fördermittel wie Nicht-Studenten zu, wie z.B. Bürgergeld oder Wohngeld.

Solltest du zwingend auf BAföG angewiesen sein, bleibt dir nur die Vollzeitimmatrikulation und ggf. die Überziehung der Regelstudienzeit. Das führt dann zwar dazu, dass du nicht mit zum Abschluss gefördert werden kannst, aber eine vorübergehende Förderung ist immer noch besser als gar keine.

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Zweitstudium begonnen?

BAföG dient der Förderung der Erstausbildung, d.h. du darfst noch keinen Studienabschluss in der Tasche haben. Einzige Ausnahme: Du hast bereits einen Bachelor und möchtest noch den Master machen. Das ist kein Problem. Wenn zwischen diesen beiden Ausbildungsabschnitten drei Jahre liegen, bekommst du sogar elternunabhängiges BAföG und damit den BAföG-Höchstsatz von aktuell 992 € monatlich (Stand 2026).

Auch kein Problem ist, wenn du zuvor eine Berufsausbildung schulisch oder dual gemacht hast und nun studieren willst. Das Studium gilt in dem Fall trotzdem als Erststudium und kann damit gefördert werden.

  • Bachelor nach abgeschlossenem Bachelor, Master, Diplom, Staatsexamen, Magister
  • Master nach abgeschlossenem Master, Diplom, Magister oder Staatsexamen
  • Studienabbruch oder -wechsel nach dem 4. Fachsemester

Ebenfalls kritisch wird es, wenn du häufiger als ein Mal den Studiengang wechselst. Frei nach dem Motto: Ein Mal ist kein Mal, verzeiht dir das Amt deinen Fehltritt beim ersten Versuch, wenn du dein Studium bis allerspätestens zum 4. Fachsemester beendest und gewährt dir einen Neustart in einem neuen Studiengang mit neuer Regelstudienzeit und neuer Förderungshöchstdauer.

Solltest du in diesem zweiten Studiengang merken, dass das auch nicht das Wahre ist, unterstützt dich das BAföG Amt erneut. Du darfst wechseln. Allerdings bekommst du keine neue Förderungshöchstdauer. Die Zeit zählt einfach weiter, sodass du bei diesem dritten Versuch aller Voraussicht nach nicht bis zum Ende der Regelstudienzeit gefördert wirst. Für die Abschlusszeit wirst du wahrscheinlich andere Reserven wie z.B. Wohngeld anzapfen müssen.

Sollte auch dieser dritte Versuch nicht das richtige sein, dreht dir das BAföG Amt den Hahn zu. Das war’s.

Solltest du nun mit dem Gedanken spielen eine schulische Ausbildung zu machen, kannst du das gern tun, aber auch hierfür wirst du in dem Fall kein Schülerbafög bekommen., wenn du zu oft oder zu spät abbrichst.

Unwissen

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Das ist wahrscheinlich der bitterste Grund, kein BAföG zu bekommen, aber es gibt ihn und leider nicht zu selten. Etwa 22 % aller Abiturienten wollen nicht studieren. In den meisten Fällen​ aus finanziellen Gründen. Nicht nur, weil man in einer dualen Ausbildung sofort Geld verdient, statt welches zu zahlen wie im Studium. Viele haben auch einfach Angst vor (BAföG) Schulden. Diese Angst entsteht meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen aus Unwissen. Wir fürchten eben, was wir nicht kennen. Und wenn ich mich nicht informiere, kann ich auch nicht wissen, dass nicht alle Schulden gleich sind.

Deshalb habe ich hier mal ausführlich vorgerechnet, warum man BAföG auf jeden Fall in Betracht ziehen und sich nicht allein von der Rückzahlung abhalten lassen sollte.

Und dann gibt es auch noch die, die studieren und BAföG einfach nur aus dem Grund nicht beantragen, weil sie nicht wissen, dass sie es könnten. Dabei ist das eigentlich gar nicht so schwer. Mit diesem Test weißt du in wenigen Sekunden, ob du die BAföG Voraussetzungen erfüllst und ob du sogar eine Chance auf elternunabhängiges BAföG hast:

Für alle, denen das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die nun ohne BAföG auskommen müssen: Wir haben dir einen ausführlichen Übersichtsartikel mit 12 Alternativen zur Studienfinanzierung 2026 zusammengestellt – von Stipendium über Wohngeld, Werkstudent bis KfW-Kredit.

Häufig gestellte Fragen – BAföG abgelehnt, und jetzt?

BAföG abgelehnt – was tun?

Erster Schritt: Widerspruch innerhalb eines Monats nach Zustellung des Bescheids einlegen – kostenlos und ohne Anwalt. Viele Bescheide enthalten Rechenfehler oder übersehen Härtefälle. Parallel prüfen, ob elternunabhängiges BAföG in Frage kommt. Falls der Ablehnungsbescheid rechtens ist: Er ist dein Nachweis für Wohngeld, Kinderzuschlag oder einen Bildungskredit.

Bekomme ich BAföG wegen des Einkommens meiner Eltern nicht?

Das ist der mit Abstand häufigste Ablehnungsgrund. Aber: Seit der BAföG-Reform 2024 liegt der Elternfreibetrag bei 2.540 € monatlich (für zusammenlebende Eltern, § 25 BAföG) – das ist mehr, als viele denken. Wenn deine Eltern knapp darüber liegen, prüfe einen Aktualisierungsantrag (z. B. bei Jobverlust, Krankheit, Scheidung) – dann wird das aktuelle Einkommen statt das von vor 2 Jahren angesetzt.

Kann ich trotz reicher Eltern BAföG bekommen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen kannst du elternunabhängiges BAföG bekommen – dann spielt das Einkommen der Eltern keine Rolle. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung plus drei Jahre Berufstätigkeit, ein Alter über 30, der Besuch einer Abendschule oder eines Kollegs, oder der zweite Bildungsweg.

Wann bekommt man kein BAföG mehr nach dem 4. Semester?

Ab dem 5. Semester musst du einen Leistungsnachweis vorlegen (§ 48 BAföG). Erreichst du die üblichen ECTS-Punkte bis Ende des 4. Fachsemesters nicht, wird dir die Förderung ab dem 5. Semester gestrichen. Es gibt aber 5 anerkannte Aufschubsgründe (z. B. Krankheit, Pflegezeiten, Mitwirkung in Hochschulgremien). Details im Artikel BAföG-Leistungsnachweis.

Gibt es kein BAföG im Urlaubssemester?

Richtig: Im Urlaubssemester besteht kein BAföG-Anspruch – ohne Ausnahme. Dafür kommt dann aber Bürgergeld in Frage (§ 7 Abs. 5 SGB II, Ausnahme für Urlaubssemester). Auch Wohngeld ist im Urlaubssemester möglich.

Was passiert mit dem BAföG nach Ende der Regelstudienzeit?

Dann ist in der Regel Schluss. Es gibt aber Verlängerungsgründe (§ 15 BAföG): Schwangerschaft, Kindererziehung bis zum 14. Lebensjahr, Behinderung, Mitwirkung in Hochschulgremien, nicht zu vertretende Studienverzögerung (z. B. Prüfungsüberlastung). Details im Artikel BAföG-Verlängerungsantrag.

Bekomme ich als Zweitstudent BAföG?

Grundsätzlich nein. BAföG fördert nur die Erstausbildung (§ 7 BAföG). Einzige Regel-Ausnahme: Bachelor → Master. Weitere Ausnahmen sind möglich, wenn das Zweitstudium “aus beruflichen Gründen unabdingbar” ist (z. B. Medizin nach Pflegestudium). In allen anderen Fällen bleiben nur Alternativen wie Wohngeld, Bildungskredit oder Stipendium – siehe unseren Artikel zur Studienfinanzierung ohne BAföG.

Kann ich im Teilzeitstudium BAföG beantragen?

Nein. BAföG gibt es ausschließlich für ein Vollzeitstudium (§ 2 Abs. 5 BAföG). Als Teilzeitstudent bist du nicht BAföG-berechtigt – dafür aber wohngeld- und unter bestimmten Voraussetzungen bürgergeldberechtigt.