Selbstständige Arbeit im Studium: 7 gute Gründe, dein eigener Chef zu sein
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Hast du schonmal daran gedacht, dich im Studium selbstständig zu machen? Nein? Dann ist jetzt der Moment gekommen! Wir teilen heute 7 gute Gründe mit dir, selbstständige Arbeit im Studium zu verrichten.
Ich heiße Barbara, bin 27 Jahre alt und habe mich im Mai 2008 nebenberuflich selbstständig gemacht. Genau genommen habe ich zu diesem Zeitpunkt mein Gewerbe angemeldet und den Schritt ins Ungewisse gewagt. Damals war ich im zweiten Semester meines Magisterstudiums.
Welche Arten selbstständiger Arbeit kann ich im Studium machen?
Wer sich nebenberuflich selbstständig macht, hat zwei Wege: freiberuflich arbeiten oder, wie ich, ein Gewerbe anmelden. Neben dem Studium ist beides erlaubt. Die Pflichten unterscheiden sich aber deutlich.
Was davon für dich gilt, hängt an deiner Tätigkeit. Die freien Berufe zählt das Gesetz einzeln auf. § 18 Absatz 1 EStG nennt die wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Arbeit und dazu namentlich Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Journalisten, Dolmetscher und Übersetzer. Wer nicht in dieser Liste steht, kann über die im selben Absatz genannten „ähnlichen Berufe“ hineinfallen. Programmierer und Fotografen sind die klassischen Grenzfälle: ob die Arbeit einer Ingenieurtätigkeit oder einer künstlerischen Tätigkeit gleichkommt, entscheidet im Zweifel das Finanzamt.
Es lohnt sich, das genau zu prüfen. Freiberufler haben gegenüber Gewerbetreibenden drei Vorteile:
- Keine Gewerbeanzeige. Die Anzeigepflicht nach § 14 Gewerbeordnung trifft nur Gewerbe. Als Freiberufler meldest du dich allein beim Finanzamt an.
- Keine IHK-Mitgliedschaft. Zur Industrie- und Handelskammer gehört nach § 2 Absatz 1 IHKG nur, wer zur Gewerbesteuer veranlagt ist. Freie Berufe fallen erst darunter, wenn sie im Handelsregister stehen.
- Keine Gewerbesteuer. Sie knüpft am Gewerbebetrieb an und lässt freiberufliche Einkünfte außen vor.
Bei kleinen Umsätzen fällt davon allerdings wenig ins Gewicht. Gewerbesteuer entsteht bei natürlichen Personen erst oberhalb eines Freibetrags von 24.500 Euro Gewerbeertrag (§ 11 Absatz 1 Satz 3 Nummer 1 GewStG), und was darüber anfällt, rechnet § 35 EStG mit dem Vierfachen des Steuermessbetrags auf die Einkommensteuer an. Vom IHK-Beitrag sind nicht im Handelsregister eingetragene Einzelunternehmer freigestellt, solange Gewerbeertrag oder Gewinn 5.200 Euro nicht übersteigen; wer neu gründet, zahlt im Jahr der Eröffnung und im Folgejahr bis zu einem Gewinn von 25.000 Euro gar nichts (§ 3 Absatz 3 IHKG). Der Unterschied liegt also weniger beim Geld als beim Papierkram.
Alle anderen selbstständigen Tätigkeiten brauchen eine Gewerbeanmeldung. Du darfst auch dann ein Gewerbe anmelden, wenn du zugleich freiberuflich arbeitest. Was dein Gewerbe umfasst, beschreibst du bei der Anmeldung selbst, und freiberufliche Tätigkeiten dürfen darin vorkommen.
Selbstständige Arbeit als Blogger: Gewerbe oder Freiberufler
Als Blogger schreibst und veröffentlichst du Texte, du bist also Autorin oder Autor. Sobald du mit dem Blog Werbeeinnahmen erzielst, betreibst du damit ein Gewerbe. Bei Büchern ist es ähnlich: Läuft der Vertrieb über einen Verlag, bleibt es freiberuflich, verkaufst du selbst über einen eigenen Shop, ist es ein Gewerbe. Im Zweifelsfall entscheidet das Finanzamt. Was beim Bloggen im Studium sonst noch dazugehört, steht in einem eigenen Artikel.
Die Abrechnung ist für beide Gruppen gleich einfach, solange du klein bleibst: Wer nicht buchführungspflichtig ist, reicht statt einer Bilanz eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ein. Buchführungspflichtig wird ein Gewerbe erst ab 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn (§ 141 Abgabenordnung). Das Finanzamt stellt dafür die Anlage EÜR bereit, in der Einnahmen und Ausgaben gegeneinander gerechnet werden. Heraus kommt der Gewinn, den du versteuern musst.
Ich nehme dafür Lexware Office, das früher lexoffice hieß. Ich nutze es seit Jahren und bin heilfroh, dass es das gibt: Rechnungen schreiben, Belege erfassen, und die Steuererklärung ist damit vorbereitet, ohne dass ich überlegen muss, was ich wie absetze. Die fertige EÜR drucke ich aus und habe sofort einen Einkommensnachweis, den ich überall vorlegen kann, beim BAföG-Amt wie beim Finanzamt. Die Tarife heißen heute S, M, L und XL und kosten laut Preisliste des Anbieters zwischen 7,90 und 32,90 Euro im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Rechnungen schreibt man ab Tarif M, Buchhaltung samt EÜR und Umsatzsteuer ab Tarif L. Für die ersten drei Monate gibt es 50 Prozent Rabatt, gekündigt werden kann monatlich. Meine Umsatzsteuervoranmeldung schicke ich damit mit einem Klick ans Finanzamt, das Geld zieht es direkt vom Girokonto ein.
Ich weiß, das klingt nach Werbetext, aber ich meine jedes Wort ernst. Ich hasse Papier, und ich bin viel unterwegs. Wenn es dir nicht gefällt, kündigst du im nächsten Monat wieder.
Wie ich zu meinem Gewerbe kam
Ich hatte in meinem ersten Semester an der Uni einige Male an der Messe in Frankfurt gejobbt. Erst auf Minijob-Basis, bis mir klar wurde, dass es für mich mehr Vorteile hätte, wenn ich mich selbstständig machen würde.
Ich wurde auf ein Internetportal aufmerksam, über das man Messe- und Promotionjobs bekommen kann. Aber dafür brauchte man in den meisten Fällen einen Gewerbeschein. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich wollte nicht in den Alltagstrott und jede Woche die gleichen Handgriffe machen. Ich hatte einen Nebenjob an der Tankstelle um die Ecke. Aber dauerhaft konnte ich mir das absolut nicht vorstellen.
Mit dem Gewerbeschein konnte ich verschiedene Jobs machen. Noch dazu war ich flexibel und konnte meine Zeit einteilen, wie ich wollte. Da ich damals noch nicht genau wusste, was ich künftig alles anbieten würde, habe ich einfach ein Gewerbe eröffnet und mal alles eingetragen, was mir so eingefallen ist: Sprachdienstleitungen, Messedienstleistungen und Marketing. Ein paar Jahre später kam noch Fitnesstraining hinzu. Denn der große Vorteil des Gewerbes ist, dass man viele verschiedene Tätigkeiten darunter laufen lassen kann. Als Freiberufler sieht das ein bisschen anders aus.
Selbstständige Tätigkeit und BAföG
BAföG hängt nicht an deiner Arbeitszeit, sondern an deinem Einkommen. Eine Stundengrenze kennt das Gesetz nicht. Der Höchstsatz liegt 2026 bei 992 Euro im Monat: 475 Euro Grundbedarf und 380 Euro Wohnzuschlag für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen (§ 13 BAföG), dazu 102 Euro für die Kranken- und 35 Euro für die Pflegeversicherung (§ 13a BAföG). Wie der Antrag läuft, steht in unseren BAföG-Tipps.
Angerechnet wird dein Gewinn, nicht dein Umsatz. Anrechnungsfrei bleiben seit dem 1. Januar 2026 389 Euro im Monat deines bereinigten Einkommens, vorher waren es 353 Euro (§ 23 Absatz 1 BAföG). Gerechnet wird über den gesamten Bewilligungszeitraum und nicht Monat für Monat. Bei Selbstständigen zieht das Amt vom Gewinn vorher eine Sozialpauschale von 38,8 Prozent ab (§ 21 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 BAföG). Aus diesen beiden Werten ergibt sich als Richtwert ein Jahresgewinn von rund 7.600 Euro: 389 Euro mal zwölf sind 4.668 Euro, und 4.668 Euro sind 61,2 Prozent von 7.627 Euro. Weil gezahlte Steuern zusätzlich abgezogen werden, kann die tatsächliche Grenze höher liegen. Nimm den Richtwert deshalb nur zur Orientierung und lass dir die Zahl für deinen Bewilligungszeitraum vom BAföG-Amt bestätigen.
Der Gewinn sind deine in Rechnung gestellten Einnahmen abzüglich der Kosten, die für die Ausübung der Tätigkeit nötig waren, beim Fotografen also zum Beispiel die Kamera. Welche Kosten abzugsfähig sind, hängt damit unmittelbar von der Art deiner Arbeit ab und sieht bei jedem anders aus. Frag im Zweifel beim Finanzamt oder bei einem Steuerberater nach.
Als Selbstständiger bist du ohnehin verpflichtet, jedes Jahr eine Steuererklärung abzugeben, auch bei kleinem Gewinn.
Wie mein Leben als Unternehmerin und Studentin aussah
In den Sommerferien habe ich teilweise sieben Tage die Woche gearbeitet. Warum? Weil ich es wollte!
Dafür habe ich mir die Vorlesungszeit mehr oder weniger ganz frei gehalten. Und weißt du was? Ich habe meinen Magister in 8 Semestern abgeschlossen. Inklusive meiner Magisterarbeits- und der Prüfungsphase, Auslandssemester, für das ich ein Urlaubssemester genommen hatte und inklusive Auslandspraktikum. Damit habe ich vor Ende der Regelstudienzeit abgeschlossen. Und man kann nicht sagen, dass ich auf irgendetwas verzichtet hätte.
Und jetzt rate mal, wie viele Semester meine Kommilitonen brauchten, die einen Nebenjob hatten, bei dem sie durchgängig und auch während des Semesters gearbeitet haben?
Ich verrate es dir: doppelt so lang!
Ich sage nicht, dass das nicht auch Typsache ist. Das ist es nämlich bestimmt!
Aber ich verspreche dir, dass es grandios ist, wenn du dir deine Zeit frei einteilen kannst und mit einem Lächeln von der Arbeit nach Hause kommst, selbst wenn es der 10. Tag in Folge war. Denn du hast es dir so ausgesucht! Es war deine Entscheidung!
Warum schon als Kind klar war, dass ich mich irgendwann selbstständig machen würde
Schon als Kind wollte ich immer einen selbstständigen Beruf ergreifen. Aber wie kommt man als Kind auf so eine Idee? Ganz einfach: Mein Vater ist selbstständig und er war in meiner Kindheit immer da. Er ist mit uns Kindern im Sommer ins Schwimmbad gegangen, spazieren und auf lange Fahrradtouren und im Winter waren wir zum Schlittenfahren auf dem Feldberg.
Meine Mutter hingegen war Angestellte. Sie war ständig weg. Und wenn sie von der Arbeit kam, war sie müde und schlecht gelaunt.
Ich habe zwar durchaus wahrgenommen, dass mein Vater dafür zum Beispiel nachts und am Wochenende arbeiten musste, aber er war sein eigener Herr.
Von klein auf wusste ich daher: Das will ich auch! Ich will nicht miesepetrig durchs Leben gehen, weil ich mich für die Firma eines anderen kaputt mache und dafür ein lausiges Gehalt bekomme, dass nicht im Verhältnis zu meinem Aufwand steht.
Ich möchte selbst entscheiden können, wann ich wie viel arbeite. Und lieber möchte ich dabei im Schnitt weniger verdienen und mehr arbeiten, wenn das die Konsequenz ist.
Na gut, die Sache war dann für mich schnell entschieden: Ich hatte das schon immer im Hinterkopf und nun bot sich mir die Möglichkeit, mich selbstständig zu machen. Gesagt, getan!
Nicht jeder versteht meine Entscheidung und trotzdem ist es die beste Entscheidung meines Lebens!
Meine Mutter tobte. Sie sagte, ich würde mein Leben zerstören.
Mir wurde oft gesagt, ich sei mutig, mich in so jungen Jahren selbstständig zu machen. Ich nenne es nicht Mut, ich nenne es Logik. Es war logisch, 25 Euro für die Gewerbeanmeldung zu zahlen und sich damit eine völlig neue Welt zu erschließen (das war 2008, und die Gebühr setzt jede Gemeinde selbst fest). Es war logisch, das Risiko einzugehen, denn es gab keines: keine Angestellten, keine Büroräume, keine Anschaffungen, keine laufenden Kosten. Daran hat sich nichts geändert, und meine Buchhaltung mache ich bis heute selbst.
Wenn man mich also zurück ins Jahr 2008 schicken würde und ich die Entscheidung neu treffen müsste, wäre sie absolut die gleiche! Es war die beste Entscheidung meines Lebens!
Was du aus meiner Geschichte lernen kannst
Aus meiner Sicht, ist eine selbstständige Tätigkeit einem Angestelltenverhältnis neben dem Studium aus folgenden Gründen immer wieder vorzuziehen:
- Ich konnte durch die Selbstständigkeit Job und Studium zeitlich besser vereinbaren.
- Mein Charakter wurde gestärkt, weil ich so früh als Geschäftsfrau auftreten und Verantwortung für mein unternehmerisches Tun übernehmen musste.
- Ich bin fast immer mit einem Lächeln nach Hause gekommen.
- Ich habe einen deutlich höheren Stundenlohn bekommen.
- Ich wurde für meine Leistung bezahlt und nicht dafür, Zeit abzusitzen.
- Ich habe Praxiserfahrung gesammelt, weil meine Jobs zum Teil einen Bezug zu meinem Studium hatten.
- Jeder hat irgendeine Fähigkeit, die er anderen als Dienstleistung anbieten kann. Ich konnte mir meinen Job selbst erfinden und musste mich keiner Stellenausschreibung anpassen.
Wenn du mit dem Gedanken spielst, dein Studium mit selbstständiger Arbeit teilweise oder ganz zu finanzieren, aber nicht weißt welche profitablen Fähigkeiten du besitzt, dann empfehle ich, dir ein Blatt Papier zu schnappen und 20 Titel für Bücher zu notieren, die du schreiben könntest. Überlege dir also Themen, die dich interessieren und von denen du wenigstens ein bisschen Ahnung hast. Du musst auf diesem Gebiet kein ausgewiesener Experte sein. Vielleicht sind auch Themen dabei, in die du dich gerne einarbeiten würdest, wenn du könntest. Schreib die Titel auf. Und wenn du fertig bist, gib sie jemandem und frage diese Person, ob sie ein Schema darin erkennt. Wenn ja, ist das ist die Richtung, in die du gehen solltest.