Spartipp: Reisen mit wenig Geld
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Fünf Wochen mit dem Auto durch Italien, als Studenten und zu viert mit unseren Kindern: Nach diesem Roadtrip haben uns Freunde und Kommilitonen immer wieder gefragt, wie wir uns das leisten konnten. Gespart haben wir bei den zwei Posten, an denen sich entscheidet, ob eine Reise teuer wird: Unterkunft und Anreise.
Diesen Erfahrungsbericht haben wir 2016 veröffentlicht. Preise, die wir aus unserer Reise nennen, sind Werte von damals. Was sich seitdem geändert hat, etwa bei Couchsurfing oder den Rabatten der Bahn, haben wir im Oktober 2026 an den jeweiligen Quellen nachgeprüft und ergänzt.
Wie wir fünf Wochen Italien bezahlt haben
Fast drei der fünf Wochen haben wir bei Verwandten gewohnt, denn ich habe Familie in Italien. Zu acht in einer Dreizimmerwohnung, selbst einkaufen und selbst kochen: Mit Cocktails unter Palmen hatte das nichts zu tun. Dafür hat uns die Unterkunft in diesen drei Wochen nichts gekostet.
Verwandtschaft im Süden hat nicht jeder. Die folgenden Wege funktionieren auch ohne.
Günstig übernachten
Couchsurfing und andere Gastgebernetzwerke
Was bei uns die Verwandten waren, können bei dir Freunde sein oder Kommilitonen, die gerade ein Auslandssemester machen und ein Sofa frei haben. Fehlen solche Kontakte, helfen Gastfreundschaftsnetzwerke. Das bekannteste, Couchsurfing, ist allerdings kein Gratisangebot mehr. Wer Übernachtungsanfragen verschicken oder selbst Gäste aufnehmen will, braucht laut der Hilfeseite von Couchsurfing ein Mitgliedschafts-Abo; den Preis zeigt die Plattform erst nach der Registrierung. Kostenlos ist BeWelcome, getragen von einem gemeinnützigen Verein mit Sitz im französischen Rennes.
Wohnungstausch
Mehr Privatsphäre bietet ein Wohnungstausch: Du wohnst bei jemandem am Urlaubsort, und diese Person wohnt in der Zeit bei dir. Dafür gibt es eigene Portale. Selbst ausprobiert haben wir keines, deshalb empfehlen wir hier auch keins. Wohnst du zur Miete, sprich den Tausch vorher mit deinem Vermieter ab. Nach § 540 Abs. 1 BGB brauchst du seine Erlaubnis, um den Gebrauch der Wohnung einem Dritten zu überlassen. Die Weitervermietung nennt das Gesetz dabei nur als ein Beispiel, Geld muss also nicht fließen.
Apartments und Bed & Breakfasts
Hostels passen mit Kindern schlecht, Hotels waren uns meist zu teuer. Wo wir nicht bei Verwandten unterkamen, haben wir deshalb Apartments für Selbstversorger oder Bed & Breakfasts genommen und oft erst unterwegs per Handy gebucht. Fündig wurden wir fast immer bei booking.com. Das hatte einen praktischen Grund: Dort ließen sich Zahl und Alter der Kinder ohne Umwege angeben. Bei vielen anderen Anbietern ging das gar nicht oder nur umständlich, und weil wir dann nie sicher waren, ob der angezeigte Endpreis stimmt, haben wir am Ende doch wieder über booking.com gebucht. Ohne Kinder fällt dieses Problem weg, und ein Vergleich mehrerer Portale lohnt sich eher.
Zu spät entdeckt haben wir Airbnb. Gerade in teuren Städten wie Venedig hätten wir dort für dasselbe Geld schönere Unterkünfte gefunden. Über Airbnb kannst du auch deine eigene Wohnung anbieten, solange du verreist, und so einen Teil der Reise finanzieren. Frag vorher deinen Vermieter, und zwar ausdrücklich nach der Vermietung an Touristen: Eine allgemeine Erlaubnis zur Untervermietung deckt die tageweise Überlassung an Feriengäste nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 8. Januar 2014 (VIII ZR 210/13) in der Regel nicht ab. Manche Städte verlangen zusätzlich eine behördliche Registrierung, in Berlin etwa eine Registriernummer für Gastgeber in der Kurzzeitvermietung. Was bei einer Untervermietung über längere Zeit gilt, erklären wir im Artikel zum Mietvertrag in der WG.
Anreise: Auto, Zug, Daumen oder Flugzeug
Roadtrip mit dem eigenen Auto
Statt zu fliegen, sind wir mit dem eigenen Auto gefahren. Das hatte zwei Vorteile. Erstens konnten wir die Reisedaten frei wählen. Bei Flügen liegen Hin- und Rückreise fest, es sei denn, du buchst nur einen Hinflug und kaufst später ein meist teureres Rückflugticket. Zweitens waren wir vor Ort beweglich. In Großstädten kommst du mit Bus und Bahn gut voran, in einer süditalienischen Kleinstadt mit 50.000 Einwohnern kaum. Wer dort die Umgebung erkunden will, braucht ein Auto, gemietet oder von zu Hause mitgebracht.
Unsere Rechnung sah so aus: Das Benzin für die fünf Wochen hat ungefähr so viel gekostet wie die Flüge für uns vier. Ein Mietwagen für drei Wochen hätte noch einmal etwa denselben Betrag gekostet. Gegenüber Flug plus Mietwagen haben wir also rund die Hälfte gespart und dabei mehr vom Land gesehen. Mit einem Wohnmobil fällt zusätzlich die Unterkunft weg. Wie das mit Kindern aussieht, beschreiben die Weltwunderer auf ihrem Familienreiseblog, vor allem für Neuseeland.
Mit dem Zug
Hast du kein Auto oder willst die Abgase vermeiden, bleibt der Zug. Ich bin vor Jahren mit einer Freundin in 25 Stunden von Berlin nach Bari gefahren. Das war ein Erlebnis, das ich jedem empfehle, der Abenteuer mag. Für Rundreisen lohnt ein Blick auf den Interrail Global Pass. Er gilt in 33 Ländern, und wer am ersten Reisetag zwischen 12 und 27 Jahre alt ist, zahlt laut Interrail 25 Prozent weniger als Erwachsene. Im eigenen Wohnsitzland deckt der Pass nur eine Hin- und eine Rückfahrt ab. Für die meisten Hochgeschwindigkeits- und Nachtzüge kommt eine Reservierungsgebühr hinzu.
Für einzelne Fahrten ins Ausland hilft eine BahnCard. Auf Sparpreis Europa und Super Sparpreis Europa gibt sie 25 Prozent Rabatt, allerdings nur auf den deutschen Teil der Strecke. Die BahnCard 25 kostet in der 2. Klasse 62,90 Euro für zwölf Monate. Wer unter 27 ist, bekommt sie als My BahnCard 25 für 39,90 Euro, und die Probe BahnCard 25 kostet 19,90 Euro für drei Monate (Preise der Bahn, Stand Oktober 2026). Kündigen musst du jeweils vier Wochen vor Ablauf.
Trampen
Trampen klingt radikal und passt nicht zu jedem Reiseziel, ist aber machbar. Jannis von Jannis’ Life ist im Sommer 2014 per Anhalter von Leverkusen bis nach Bari gereist, unter anderem über Bozen und Rom. Die Alpen hat er dabei auf dem Fernwanderweg E5 zu Fuß überquert. Ich finde das bis heute mutig.
Flüge
Weit weg heißt nicht automatisch teuer. In Südostasien sind die Lebenshaltungskosten vergleichsweise niedrig. Wer dort ohne Pauschalreise unterwegs ist und keine großen Ansprüche hat, gibt oft am meisten für den Flug aus, und auch für den gibt es immer wieder günstige Angebote. Für Studententarife hatten wir 2016 STA Travel empfohlen. Die Marke ist inzwischen in Explorer aufgegangen, wo das frühere STA-Team Flüge für Studenten sowie Gabelflüge und Multistop-Routen weiter anbietet.
Für eine Weltreise kommen Round-the-World-Tarife der Airline-Allianzen infrage, etwa der Star Alliance. Buchen lassen sie sich über die Allianz selbst, über ihre Mitgliedsairlines oder im Reisebüro. Barbara hat auf ihrem Blog beschrieben, wie sie ihr Round-the-World-Ticket mit Meilen bezahlt hat: 180.000 Meilen bei Miles & More, über fünf Jahre vor allem mit der Kreditkarte des Programms gesammelt. Ganz geschenkt war das Ticket nicht, für acht Flüge zahlte sie rund 860 Euro an Flughafengebühren und Treibstoffzuschlägen. Ihr Bericht stammt von 2014, die Bedingungen des Programms können sich seither geändert haben.
Vor Ort sparen
Wie teuer ein Urlaub wird, hängt stark vom Reiseziel ab. Bekannte Touristenorte sind meist teurer als weniger bekannte, die dafür oft ruhiger und weniger überlaufen sind. In Süditalien haben wir für eine Pizza im Schnitt 4 Euro bezahlt, in Rom und Venedig mindestens 10 Euro (Preise unserer Reise, vor 2016). Anregungen für Ziele abseits der üblichen Routen findest du in Reiseblogs wie Barbaralicious oder Jannis’ Life, die beide langsames Reisen auf ungewöhnlichen Wegen beschreiben. Backpacker musst du dafür nicht sein.
Vor der Abreise klären: Handy und Krankenversicherung
In der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen telefonierst und surfst du nach der EU-Roaming-Verordnung zu den Bedingungen deines Inlandstarifs. Die Regeln gelten laut Bundesnetzagentur bis zum 30. Juni 2032. Die Schweiz gehört nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum und fällt nicht darunter, dort und außerhalb Europas gelten die Auslandstarife deines Anbieters.
Gesetzlich Versicherte haben die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) auf der Rückseite ihrer Gesundheitskarte. Sie gilt laut Bundesgesundheitsministerium in der EU, in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und Großbritannien, und zwar zu denselben Bedingungen wie für die Versicherten im Gastland. Einen Rücktransport nach Deutschland bezahlt die Krankenkasse nicht, das schließt § 60 Abs. 4 SGB V ausdrücklich aus. Für diesen Fall brauchst du eine private Auslandsreise-Krankenversicherung. Worauf es bei der Auswahl ankommt, steht in unserem Artikel zur Auslandskrankenversicherung.
Fazit
Reisen muss kein Vermögen kosten. Norbert Figueroa hat auf GloboTreks seine Kosten für drei Jahre Weltreise durch 76 Länder offengelegt: 60.761,53 US-Dollar insgesamt, im Schnitt rund 1.663 US-Dollar im Monat. Das sei nur etwas mehr, als er vorher in New York allein an Miete bezahlt habe. Gespart hat er vor allem, indem er langsam und über Land reiste und lange in günstigen Regionen blieb. Eins zu eins auf ein Studentenbudget übertragen lässt sich das nicht. Es zeigt aber, dass die Kosten vor allem davon abhängen, wie du reist.
Weitere Ideen für die Reisekasse, etwa Fernbus und Jobben im Ausland, findest du in unserem Beitrag Günstiger Urlaub für Studenten, Tipps für den Alltag in den Spartipps für Studenten. Hast du selbst einen guten Spartipp fürs Reisen, schreib uns über unsere Kontaktseite.