Das Weihnachtsgeld - die wichtigsten Fakten zu der Sonderzahlung
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Gut die Hälfte der Beschäftigten bekommt Weihnachtsgeld: 51 Prozent laut Auswertung des WSI-Tarifarchivs von 2025, mit Tarifvertrag 77 Prozent, ohne nur 41 Prozent. Mit dem Urlaubsgeld zählt das Weihnachtsgeld zu den beliebtesten Sonderleistungen. Aber haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf die Zahlung von Weihnachtsgeld? Und was gilt für Werkstudenten und Minijobber?
Was ist Weihnachtsgeld?
Das Weihnachtsgeld ist eine Sonderzahlung, die der Arbeitgeber leistet. Arbeitnehmer sollen hiermit für ihre Arbeit im vergangenen Jahr zusätzlich belohnt und für das neue Jahr motiviert werden. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung sind Sonderzahlungen:
“Leistungen, die der Arbeitgeber anlass- oder termingebunden zusätzlich zur laufenden Vergütung erbringt. Dazu gehören u. a. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, zusätzliche Monatsgehälter, Jahresabschlussprämien und -boni und Jubiläumszuwendungen.”
Oft mit dem Weihnachtsgeld verwechselt wird das sogenannte 13. Monatsgehalt. Dabei handelt es sich um einen Ausgleich für eine konkrete Arbeitsleistung, die im letzten Jahr erbracht wurde.
Die Höhe des Weihnachtsgeldes orientiert sich entweder prozentual am Monatslohn oder wird als Pauschalbetrag ausgezahlt. Tarifverträge koppeln die Höhe in der Regel an die Dauer der Betriebszugehörigkeit.
Ob überhaupt Weihnachtsgeld fließt, entscheidet sich meist schon bei der Unterschrift. Welche Formulierungen zu Sonderzahlungen du im ersten Arbeitsvertrag prüfen solltest, zeigt unser Ratgeber zum Berufseinstieg.
Besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Weihnachtsgeld?
Das Weihnachtsgeld ist nicht gesetzlich geregelt. Damit besteht kein gesetzlicher Anspruch auf die Sonderleistung. Allein eine entsprechende Klausel im Tarifvertrag, im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung begründet einen Anspruch auf den Erhalt von Weihnachtsgeld. Entscheidet sich der Arbeitgeber aber dazu, grundsätzlich Weihnachtsgeld auszuzahlen, muss er alle Arbeitnehmer gleichermaßen berücksichtigen. Ausnahmen können nur aus sachgemäßen Gründen gemacht werden. Erhalten zum Beispiel Manager oder ähnliche Positionen ein weit höheres Gehalt als andere Mitarbeiter, können sie von der Zahlung ausgeschlossen werden.
Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld kann sich auch aus der betrieblichen Übung ergeben. Diese beschreibt ein wiederkehrendes Verhalten, an das sich der Arbeitnehmer gewöhnt hat und nun auch in Zukunft erwarten darf. Der Arbeitgeber muss hierfür drei Jahre lang in Folge Weihnachtsgeld ausgezahlt haben, ohne ausdrücklich, eindeutig und schriftlich darauf hinzuweisen, dass die Zahlung allein freiwillig erfolgt.
Einmal Weihnachtsgeld - immer Weihnachtsgeld?
Zahlt der Arbeitgeber zwar drei Jahre hintereinander ein Weihnachtsgeld aus, behält sich aber gleichzeitig die Freiwilligkeit vor, besteht kein Anspruch der Arbeitnehmer auf weitere Zahlungen. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall selbst entscheiden, ob er seine Praxis fortsetzen möchte.
Ist durch betriebliche Übung einmal ein Anspruch entstanden, wird der Arbeitgeber ihn nicht mehr einseitig los. Früher ließ das Bundesarbeitsgericht eine „gegenläufige“ Übung gelten: Zahlte der Arbeitgeber drei Jahre lang nur noch unter Freiwilligkeitsvorbehalt und widersprach niemand, war der Anspruch weg. Diese Rechtsprechung hat das BAG 2009 aufgegeben (Az. 10 AZR 281/08). Schweigen gilt seitdem nicht als Zustimmung. Der Arbeitgeber braucht entweder einen Änderungsvertrag, den du unterschreibst, oder eine Änderungskündigung, die nur unter engen Voraussetzungen wirksam ist.
Im Falle einer Kündigung kann unter Umständen ein bereits gezahltes Weihnachtsgeld zurückgefordert werden. Dies ist dann der Fall, wenn der Arbeitgeber die Sonderzahlung als Belohnung für die Betriebstreue des Arbeitnehmers geleistet hat. Soll das Weihnachtsgeld hingegen ein Entgelt für die geleistete Arbeit des letzten Jahres sein, kann es in der Regel nicht mehr zurückgefordert werden.
Bekommen Werkstudenten und Minijobber Weihnachtsgeld?
Werkstudenten, Teilzeitkräfte und Minijobber dürfen beim Weihnachtsgeld nicht schlechter gestellt werden als Vollzeitkräfte. Das folgt aus § 4 Abs. 1 TzBfG: Teilzeitbeschäftigte bekommen Arbeitsentgelt und andere teilbare Leistungen mindestens in dem Umfang, der ihrem Anteil an der Arbeitszeit einer vergleichbaren Vollzeitkraft entspricht. Minijobber sind dabei mitgemeint, denn nach § 2 Abs. 2 TzBfG gilt auch eine geringfügige Beschäftigung als Teilzeit. Ausschließen darf der Arbeitgeber nur aus sachlichen Gründen, die geringere Stundenzahl allein ist keiner.
Ein Rechenbeispiel: Vollzeitkräfte arbeiten 40 Stunden pro Woche und bekommen 2.000 € Weihnachtsgeld. Als Werkstudent mit 20 Wochenstunden stehen dir dann mindestens 1.000 € zu.
Weihnachtsgeld im Minijob: Vorsicht an der 603-Euro-Grenze
Im Minijob kann Weihnachtsgeld zum Problem werden. Maßgeblich ist der durchschnittliche Monatsverdienst, und der darf seit dem 1. Januar 2026 nicht über 603 € liegen. Ein Weihnachtsgeld, mit dem schon zu Beginn des Jobs zu rechnen ist, weil es im Vertrag steht oder jedes Jahr gezahlt wird, rechnet die Minijob-Zentrale von Anfang an in diesen Durchschnitt ein.
Bei 550 € im Monat und 600 € Weihnachtsgeld kommst du auf 7.200 € im Jahr, im Schnitt also 600 €: Der Minijob bleibt bestehen. Bei 580 € im Monat wären es 7.560 € und damit 630 € im Schnitt. Dann liegt von vornherein kein Minijob vor, sondern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Ein unerwarteter Bonus, etwa nach einem guten Geschäftsjahr, wird dagegen erst geprüft, wenn er gezahlt wird.
Corona-Sonderzahlung: steuerfrei nur bis März 2022
Zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. März 2022 durften Arbeitgeber eine Corona-Sonderzahlung von bis zu 1.500 € steuerfrei auszahlen (§ 3 Nr. 11a EStG). Voraussetzung war, dass sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn floss. Ein Weihnachtsgeld, auf das per Vertrag oder betrieblicher Übung schon ein Anspruch bestand, konnte sie deshalb nicht ersetzen, nur ergänzen. Die Regelung ist ausgelaufen. Weihnachtsgeld ist heute wieder ganz normal lohnsteuer- und beitragspflichtig.