Deutschlandstipendium Bewerbung – Du musst kein Überflieger sein!
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Stipendium? Ich? Wohl eher nicht…. So oder so ähnlich denken wohl die meisten, wenn ihnen jemand vorschlägt, sich für eine Förderung wie das Deutschlandstipendium zu bewerben. Das Stipendienwesen hat einen elitären Ruf, und der Status „Stipendiat“ hat etwas sehr Ich-trage-Anzüge-und-bin-Wein-Kenner-mäßiges. Beim Deutschlandstipendium nennt das Gesetz neben Noten ausdrücklich Engagement und den persönlichen Werdegang (§ 3 StipG). Eine feste Notengrenze steht dort nicht.
Eingeführt hat der Bund das Deutschlandstipendium zum Sommersemester 2011, die Grundlage ist das Stipendienprogramm-Gesetz vom Juli 2010 (Förderdatenbank des Bundes). Gedacht war es als Stipendium für deutlich mehr Studierende als bei den klassischen Werken. Ganz eingelöst ist das nicht: 2025 bekamen es 33.500 Studierende, das sind 1,2 Prozent aller Studierenden. Die Hürde für eine Bewerbung ist trotzdem niedriger als bei den meisten Stiftungen.
Stipendien – Eine Auszeichnung für ein gutes Elternhaus?
Provozierend, oder? Genau das ist aber ein gängiger Kritikpunkt, und nicht nur am deutschen Stipendienwesen. Den etablierten Stipendienwerken (Parteistiftungen, Wirtschaftsunternehmen, …) wird ein selbstverstärkender Charakter unterstellt: Die Zugangsvoraussetzungen seien so restriktiv, dass nur ein kleiner Teil der guten Studierenden infrage kommt. Bevorteilt seien damit Studierende aus bildungsnahen Elternhäusern, die a) exklusive Gesellschaften gewohnt und b) ihr Leben lang viel intellektuellem Input ausgesetzt sind.
Das ist überspitzt, und für ein fundiertes Urteil bräuchte es mehr Hintergrundwissen. Falsch ist es aber nicht, dass große Werke wie die Studienstiftung hohe Hürden haben, an denen auch viele „Förderungswürdige“ scheitern. Die Stiftungen haben Anforderungsprofile, die zu ihrem Leitbild passen, und das ist ihr gutes Recht. In einem anderen Beitrag hat Gastautorin Jenny von ihrem Stipendium bei der Hans-Böckler-Stiftung erzählt.
Das Deutschlandstipendium hat einen etwas anderen Ansatz:
Das Deutschlandstipendium
Das Prinzip: Die Hochschule wirbt bei Unternehmen, Stiftungen, Vereinen, Alumni oder Privatleuten 150 Euro im Monat pro Stipendium ein, der Bund legt weitere 150 Euro dazu (§ 11 StipG). Du bekommst also 300 Euro pro Monat (§ 5 StipG), 3.600 Euro im Jahr, unabhängig vom Einkommen deiner Eltern. Steuern oder Sozialabgaben fallen darauf in der Regel nicht an, zurückgezahlt wird nichts (FAQ des Programms).
Tipp: Das Deutschlandstipendium wird nicht ans BAföG angerechnet! Beides läuft nebeneinander (FAQ). Ausgeschlossen ist dagegen eine zweite begabungs- und leistungsabhängige Förderung ab 30 Euro im Monat, etwa ein Stipendium eines Begabtenförderungswerks (§ 4 StipG).
Deutschlandstipendium Bewerbung
Den Bewerbungszeitraum und das Auswahlverfahren legt jede Hochschule selbst fest (Förderdatenbank). Beim Studienfonds OWL, der für die Universitäten Bielefeld und Paderborn und drei weitere Hochschulen der Region vergibt, endete die Frist für das Wintersemester 2024/25 zum Beispiel am 7. Mai (Uni Paderborn). In der Regel gehören zur Bewerbung ein Motivationsschreiben, der aktuelle Lebenslauf, das aktuelle Zeugnis und möglichst viele Nachweise über Nebenjobs und Ehrenamt.
Auch Studienanfänger können sich bewerben, dann mit dem Abiturzeugnis: Gefördert werden darf ab dem ersten Semester (§ 6 StipG). Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle, wohl aber, dass deine Hochschule am Programm teilnimmt.
Bewilligt wird für mindestens zwei Semester, längstens bis zum Ende der Regelstudienzeit (§ 6 StipG). Eine neue Bewerbung brauchst du für die Verlängerung nicht: Die Hochschule prüft nach jedem Jahr, ob du die Kriterien noch erfüllst (FAQ). Weitergezahlt wird allerdings nur, solange die privaten und öffentlichen Mittel dafür vorhanden sind.
Auswahl, Förderer und Begleitprogramm
Seit dem Start ist das Programm gewachsen. 2013 waren es knapp 20.000 Geförderte, 2017 knapp 26.000 (Grafik oben), 2025 laut Statistischem Bundesamt 33.500. Die Hochschulen warben dafür 35 Millionen Euro bei privaten Geldgebern ein. Am höchsten ist der Anteil im Saarland mit 1,9 Prozent der Studierenden, am niedrigsten in Berlin und Thüringen mit je 0,6 Prozent.
Über die Bewerbungen entscheidet eine Auswahlkommission der Hochschule, Vertreter der Förderer dürfen beratend dabei sein (FAQ). Ein ideelles Programm schreibt das Gesetz nicht vor. Ob es Treffen mit deinem Förderer, Mentoring oder Veranstaltungen gibt, hängt von Hochschule und Förderer ab. Für Unternehmen liegt darin der Reiz: Sie lernen Studierende ihres Fachs kennen, und manchmal wird daraus ein Praktikum oder ein Jobangebot nach dem Studium.
Manche Förderer laden ihre Stipendiaten zu Betriebsbesichtigungen, Kongressen oder Tagungen ein. Dort knüpfst du Kontakte, die du über eine normale Bewerbung kaum bekämst.
Ein Stipendium für alle?
Nein. Auch das Deutschlandstipendium fördert Leistung und ist darin nicht anders zu gewichten als die Stipendien der traditionellen Werke. Der Leistungsbegriff ist nur weiter gefasst. Zum Zug kommen auch Leute, die nicht mit 16 ein Millennium-Problem gelöst haben. Neben Noten zählen laut § 3 StipG der bisherige Werdegang, gesellschaftliches Engagement, Verantwortungsbereitschaft und besondere soziale, familiäre oder persönliche Umstände, etwa die familiäre Herkunft oder ein Migrationshintergrund. Wer als Erster in der Familie studiert, neben dem Studium arbeiten muss oder Angehörige pflegt, sollte das in der Bewerbung erwähnen.
Ob es eine Mindestnote gibt und wie stark Noten gewichtet werden, regelt die Vergabesatzung deiner Hochschule. Lies sie vor der Bewerbung, sie steht meist auf derselben Seite wie die Ausschreibung.
Ganz ohne Haken ist das Modell nicht. Die privaten Gelder kamen 2025 von Kapitalgesellschaften (2.960 Geldgeber, 9,3 Millionen Euro), von Vereinen, Genossenschaften und Stiftungen (2.590 Geldgeber, 15,5 Millionen Euro) sowie von Privatpersonen und Einzelunternehmen (2.040 Geldgeber, 4,5 Millionen Euro), so das Statistische Bundesamt. Eine Gegenleistung dürfen sie nicht verlangen, auch keine Zusage, später bei ihnen zu arbeiten (§ 5 StipG). Sie dürfen ihr Geld aber an bestimmte Fachrichtungen binden, bei bis zu zwei Dritteln der jährlich neu vergebenen Stipendien einer Hochschule (§ 11 StipG). Das schlägt sich in der Verteilung nieder: 2020 studierten 10.213 der 28.077 Geförderten Ingenieurwissenschaften, gut 36 Prozent, aber nur 1.861 Geisteswissenschaften, knapp 7 Prozent (Destatis, Fachserie 11 Reihe 4.6). Mindestens ein Drittel der neuen Stipendien bleibt ungebunden und steht allen Fächern offen.
Bewirb dich!
Das sollte dich aber nicht abschrecken! Ich bin selbst Geisteswissenschaftler und war, als dieser Beitrag 2016 erschien, im zweiten Förderjahr. Der Aufwand ist überschaubar: Unterlagen über das Bewerbungsportal der Hochschule einreichen, dann abwarten. Und selbst wenn es nicht klappt, hast du ein gutes Motivationsschreiben geschrieben, das du für die nächste Bewerbung weiterverwenden kannst.
Ein weiterer Vorteil, wenn du erst einmal drin bist: Die Förderung ist nicht starr. Wer wegen Schwangerschaft, Kindererziehung, einer Behinderung oder eines fachbezogenen Auslandsaufenthalts länger braucht, kann beantragen, über die Regelstudienzeit hinaus gefördert zu werden (§ 7 StipG). Während eines Urlaubssemesters ruht die Zahlung. Was bei einem Fachwechsel gilt, klärst du am besten vorher mit der Stipendienstelle deiner Hochschule. Unsere Erfahrung: Mit einer guten Begründung lässt sich vieles regeln.
Die großen Begabtenförderungswerke zahlen mehr und verlangen mehr. Das Deutschlandstipendium bringt weniger Geld, ist aber unabhängig vom Einkommen der Eltern, lässt sich mit BAföG kombinieren und steht mit der genannten Einschränkung allen Studiengängen offen. Das Bewerbungsverfahren ist schlank genug, dass sich der Versuch für fast jeden lohnt.
Du hast also ganz ordentliche Noten und liegst zwischen den Vorlesungszeiten nicht nur auf der Couch, sondern schaust auch mal nach rechts oder links? Dann such auf der Seite deiner Hochschule nach Frist und Vergabesatzung. Ob deine Hochschule überhaupt mitmacht, zeigt eine Übersichtskarte, die in den FAQ zum Deutschlandstipendium verlinkt ist.
Es gibt auch einige Ratgeber, die dir da noch weiter helfen können.