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BAföG Vorausleistung ~ wenn die Eltern mein Studium nicht unterstützen?

BAföG Vorausleistung ~ wenn die Eltern mein Studium nicht unterstützen?

Studenten haben (k)ein entspanntes Leben

Studieren ist wie arbeitslos sein. Außer, dass die Eltern stolz sind. So denken wahrscheinlich die meisten, die selbst nie studiert haben über Studenten. Nur sind eben nicht alle Eltern stolz auf ihre studierenden Kinder. Einigen wäre es lieber, ihr Nachwuchs würde eine duale Ausbildung mit Ausbildungsgehalt machen, statt ihnen weitere drei bis fünf Jahre auf der Tasche zu liegen. Manche Eltern wollen ihre Kinder schlichtweg nach dem Schulabschluss nicht weiter finanzieren, andere können es einfach nicht.

Letzteren hilft der Staat mit BAföG. Dazu müssen die Eltern aber ihr Einkommen dem BAföG Amt gegenüber offenlegen, um nachzuweisen, dass sie diese Sozialleistung wirklich brauchen, um ihrem Kind eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen. Nicht jedem ist das so klar und so erreichen mich täglich Nachrichten von Studierenden, die Schwierigkeiten bei ihrem BAföG Antrag haben, weil ein oder beide Elternteile sich weigern, ihnen die notwendigen Einkommensnachweise zur Verfügung zu stellen oder den errechneten Unterhaltsanspruch zu leisten.

BAföG ist wie Hartz4 für Studenten

Wie auch  Hartz4 ist BAföG eine Sozialleistung, die dem Nachweis einer Bedürftigkeit unterliegt. Wer also über ein gewisses Einkommen und/oder Vermögen verfügt, bekommt kein BAföG. Hinzu kommt, dass  Eltern gemäß § 1610 BGB dazu verpflichtet sind dafür zu sorgen, dass ihre Kinder ein Dach über dem Kopf, etwas zu Essen auf dem Tisch und Kleidung zum Anziehen haben bis sie eine berufsqualifizierende Ausbildung abgeschlossen haben. Diese Unterhaltspflicht ist unabhängig vom Alter des Kindes. Deshalb müssen Eltern beim BAföG Antrag ihrer Kinder ihr Einkommen nachweisen, damit das Amt feststellen kann, inwiefern die Eltern ihrer gesetzlichen Unterhaltspflicht tatsächlich nachkommen können.

Ist das elterliche Einkommen zu gering, um allen ihren Kindern den nötigen Unterhalt während der Ausbildung/Studium zu leisten, erhalten die Kinder zusätzlich zum Unterhalt der Eltern BAföG. Je höher das elterliche Einkommen, desto weniger BAföG bekommst du also.

Alle, die vor dem Studium schon eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, sollten unbedingt diesen Artikel lesen, um elternunabhängiges BAföG zu erhalten!

Was tun, wenn ich keine Einkommensnachweise meiner Eltern  für meinen BAföG-Antrag bekomme?

In einigen Fällen ist es schwer für Studierende an die notwendigen Unterlagen ihrer Eltern für den BAföG Antrag zu kommen und diese dem Amt vorzulegen. Gründe hierfür sind üblicherweise:

  • fehlender Kontakt zu Mutter und/oder Vater
  • Weigerung der Mutter und/oder Vater Einkommensnachweise zur Verfügung zu stellen
  • Weigerung der Mutter und/oder Vater Unterhalt zu leisten

Für all diese Fälle gibt es das BAföG Formblatt 8 bzw. den Antrag auf Vorausleistung.

vorausleistung

Was ist ein Antrag auf BAföG Vorausleistung?

Mit dem Formblatt 8 kannst du deinen Unterhaltsanspruch ans Land übertragen. Damit schulden deine Eltern bzw. der unkooperative Elternteil nicht mehr dir, sondern dem Land Geld. Das BAföG Amt hat damit die Möglichkeit für deine Eltern in Vorausleistung zu gehen und den säumigen Anteil an dich vorzustrecken bis es die Angelegenheit mit deinen Eltern geklärt hat. Das Amt kann damit deine Eltern direkt auffordern Einkommensnachweise einzureichen  und kann sie notfalls auch verklagen, wenn nötig.

Dazu sei aber auch gesagt, dass die Ämter /Sachbearbeiter unterschiedlich mit dem Thema BAföG Vorausleistung umgehen. Einige gehen sofort Vorausleistung und kontaktieren den betroffenen Elternteil ohne Wenn und Aber direkt selbst, andere fordern vom Antragsteller erst einen eindeutigen Beweis dafür, dass alles mögliche versucht wurde, selbst an die Einkommensnachweise zu kommen, bevor sie irgendwas selbst tun. Daraus resultiert, dass manche Antragsteller monatelang weder BAföG noch Unterhalt bekommen. Das ist  der Worst Case, bei dem man sich tatsächlich an einen Anwalt wenden sollte.

Was kann ich tun, wenn ich nicht möchte, dass meine Eltern verklagt werden?

Deinen Eltern steht es frei zu entscheiden, WIE sie ihrer Unterhaltspflicht nachkommen. Gemäß § 1612 BGB sind deine Eltern nicht verpflichtet, dir Geld zu geben. Solange du bei ihnen wohnen kannst und verpflegt wirst, musst du plausibel erklären können, warum du davon keinen Gebrauch machst. Oder du verzichtest schlichtweg auf den Unterhalt und versuchst das Finanzloch folgendermaßen zu stopfen.

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BAföG-Hotline 0800-223 63 41

Die offizielle Hotline des Deutschen Studentenwerks ist erreichbar

von montags bis freitags 8 - 20 Uhr (kostenfrei).

9 Kommentare

  • Noch dazu zu erwähnen. Meine Mutter ist nicht aufzufinden. Ich müsste bei jedem Antrag Briefe mit rückschein senden, damit es nachgewiesen werden kann. Aus diesem Grund fällt sie komplett aus der Bafög Geschichte raus.
  • Hallo Luisa,

    ich habe eine Frage..
    ich habe vor kurzem auf Grund von Corona Semester einen Antrag gestellt. Davor habe ich eine Vorausleistung erhalten. Mein Vater ist Pflegebedürftig und lebt in Spanien. Er bekommt zwar deutsche Rente aber es reicht nicht aus. Allein die Rechnung an Medikamente, soziale Pfleger usw. Er kann sozusagen mir nicht dabei unterstützen was ich vollkommen verstehen kann. Ich habe aber Kindergeld seit dem Anfangs des Studium bis voraussichtlich nächster Monat. Bafög verlangt willkürliche Unterlagen, welche unmöglich ist in Spanien zu besorgen. Mein Vater ist bettlägerig und kann sich nicht bewegen. Er schreibt alle Briefe an Bafög per Hand und schildert seine Situation. Jedoch wurde er von Seiten des Bafögamtes mit Zwangsgeld verklagt. Egal wie oft er seine Unterlage vorgelegt und seine Situationen geschildert hat, bekommt er eine Ablehnung.

    Meine Frage lautet : was kann ich in diese Situation tun? Wenn Bafög vorschreibt, dass mein Vater 750€ mir Monatlich zahlen muss aber er nur 400€ kann. Wie kann ich Bafögamt am besten die Situation mitteilen? Gibt es einen anderen Ausweg? Muss ich mein Vater verklagen?
  • Hey Marista,

    es steht dir und deinem Vater völlig frei zu entscheiden, wie viel er dir zahlt. Wenn ihr euch auf 400 Euro einigt, gibt es keinen Grund ihn zu verklagen. Ob du auf das Geld bestehst oder nicht, entscheidest du allein. Das Amt kann ihn aber verklagen, wenn er seinen Anteil an den Vorausleistungen nicht ans Amt zurückzahlt. Das war sowas wie eine "Leihgabe" vom Amt für euch. Wenn du das mit deinem Vater für die Zukunft geklärt hast, beantrage künftig einfach keine Vorausleistung mehr.

    wenn ihr der Meinung seid, dass die 750 Euro nicht korrekt berechnet wurden, könnt ihr Widerspruch einlegen. https://www.studierenplus.de/bildung-finanzieren/widerspruch-einlegen/
  • Hallo Luisa,

    vielen Dank für den informativen Artikel, vor allem das Video hat mir Klarheit gebracht.
    Nun zu meiner Situation:
    Ich habe eine abgeschlossene 3-jährige Berufsausbildung und habe in diesem Bereich nicht weitergearbeitet. Im Anschluss bin ich auf die Berufliche Oberschule und habe mein Abitur nachgeholt. In diesen 2 Jahren erhielt ich Bafög. Danach habe ich ein Jahr gearbeitet und werde nun zum WS mit dem Studieren beginnen (fachfremdes Studium, verglichen zur Ausbildung).
    Somit würde eine ein-jährige Lücke zwischen der Förderung bestehen. Kann ich für den Bachelor trotzdem noch Bafög beantragen? Oder muss der Förderungszeitraum lückenlos sein?
    Und falls die Förderung möglich ist: muss ich dann erneut einen Erstantrag abgeben?

    Vielen Dank im Voraus!
  • Hey Kilian,

    Lücken sind kein Ausschlusskriterium. Der Lebenslauf muss zwar lückenlos angegeben werden, das bedeutet aber nicht, dass man keine Zeiten darin haben darf, in denen man arbeitslos war und auch sonst nichts weiter gemacht hat. Es muss einfach nur im Antrag so drinstehen.
  • Hi Luisa ich habe eine Frage,
    ich habe eine abgeschlossene Ausbildung (3 Jahre), habe 1 Jahr gearbeitet, jetzt studiere ich an der Uni.
    Mein Vater kann nicht arbeiten seit 2015 wegen Krebs, bekommt ALG II, meine Mutter ist Argentinierin, wohnt getrennt von uns seit 6 Jahre, seitdem weiß nicht mehr von ihr.
    Gäbe es da eine Chance elternunabhängiges BAföG zu bekommen? Ich will an der Stelle nicht mein Vater verklagen, da er auf keinen Fall mein Unterhalt bezahlen kann und muss auch nicht. Welche Konsequenzen gäbe es dann für meine Mutter dort in Argentinien? ich habe kein Kontakt mehr zu ihr aber ich will ihr auch nicht Probleme bereiten, weil ich jetzt studiere.

    Liebe Grüße und vielen Dank,
  • Hey Sophia,

    dein Vater hat ohnehin kein anrechenbares Einkommen. Du brauchst gar kein elternunabhängiges BAföG, zumindest nicht, was ihn angeht. was deine Mutter betrifft bist du verpflichtet sie um Einkommensnachweise zu bitten, ob ihr das wollt spielt keine Rolle. Du MUSST Sie fragen. Wenn sie nicht mitmacht, beantrage Vorausleistung. Dann fordert das Amt die Unterlagen ein. also frag sie lieber selbst, wenn du kannst und ihr keine Probleme bereiten willst. Wenn du eine Chance auf elternunabhängiges BAföG willst, müssen dich beide Elternteile bei dem antrag unterstützen. Dazu gehört auch ihr Einkommen offenzulegen. https://www.studierenplus.de/bafoeg/bafoeg-elternunabhaengig/
  • Hey Luisa,
    Vielen Dank für diesen Artikel! Er hat mir
    wirklich sehr weitergeholfen.

    Wie sehen die Chancen bei mir aus?
    Ich habe nach meinem Realschulabschluss ein FSJ gemacht, anschließend mein Fachabitur und die Ausbildung zur Erzieherin. Mit meinen Eltern waren auch nur diese Schritte abgesprochen. Nach Abschluss meiner Ausbildung habe ich mich während des Bewerbungszeitraums dazu entschieden noch ein Studium im Bereich Psychologie zu beginnen. Meine Eltern haben erst davon erfahren, als ich bereits immatrikuliert war.

    Ich sehe zwischen Fachabi und Ausbildung zur Erzieherin keinen direkten fachlichen Zusammenhang zum Studium Psychologie, jedoch besteht ein zeitlicher Zusammenhang, da ich nach meiner Ausbildung nicht mehr gearbeitet habe.

    Wie schätzt du die Situation ein?

    Liebe Grüße und vielen Dank für alles!!
  • Hey Michelle,

    kann ich nicht einschätzen, könnte aber klappen, wenn das Abi vor der Ausbildung kam.

Was denkst du?