BAföG Altersgrenze wertvolle Tipps für Schüler und Studenten ab 30

BAföG Altersgrenze

BAföG Altersgrenze

Man ist so alt wie man sich fühlt? Nicht, wenn es nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz geht.

Zu alt für den Berufseinstieg?

Nö. Ganz einfach nö. Man ist nie zu alt etwas für sich selbst zu tun, aber sieht das das Gesetz genauso?

Wer einen beruflichen Neuanfang werden will, muss erstmal schauen, ob er/sie sich das überhaupt leisten kann. Zum Glück gibt's ja das Berufsausbildungsförderungsgesetz, aber um eine schulische Ausbildung oder ein Studium gefördert bekommen, muss man bestimmte BAföG Voraussetzungen erfüllen, zu denen auch das Alter gehört.

Über die BAföG Altersgrenze kursieren viele Gerüchte und gefährliches Halbwissen. Deshalb möchte ich mit diesem Artikel die meistgestellten Fragen zur BAföG Altersgrenze beantworten.

Wann ist man zu alt für BAföG?

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Ich mache eine schulische Ausbildung zur Physiotherapeutin im 2. Lehrjahr und bekomme SchülerBAföG. In zwei Monaten werde ich 30. Wird mein BAföG dann gestrichen? 

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Janine Martin

Schülerin

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Ich habe gerade mein Bachelorstudium abgeschlossen und möchte jetzt erstmal ein wenig Berufserfahrung sammeln bevor ich mich in den Master stürze. Ich bin jetzt 28 und wüsste gern bis wann ich das Studium beginnen muss, damit ich noch BAföG beantragen kann.

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Michael Döhring

Wirtschaftsingenieur B. Sc.

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Hallo, ich studiere Medizin im 1. Semester an der Charité in Berlin. Ich bin 32 Jahre alt, habe zwei Töchter (5 und 1 Jahr alt) und vor meinem Studium Teilzeit als Krankenschwester gearbeitet. Ich möchte gern BAföG beantragen, bin mir aber aufgrund meines Alters unsicher, ob sich der Aufwand überhaupt für mich lohnt.

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Katharina Lange

Studentin

Das sagt das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) zu deinem Alter

Ja, es stimmt, um BAföG zu erhalten, musst du bestimmte persönliche Voraussetzungen erfüllen, dazu gehört auch, dass du zu Beginn deiner Ausbildung bzw. deines Studiums noch keine 30 sein solltest. Definiert ist das in §10 BAföG.

§10, Abs. 3 BAföG


Ausbildungsförderung wird nicht geleistet, wenn der Auszubildende bei Beginn des Ausbildungsabschnitts, für den er Ausbildungsförderung beantragt, das 30. Lebensjahr, bei Studiengängen nach § 7 Absatz 1a das 35. Lebensjahr vollendet hat.

Das allein dürfte die erste Frage danach beantworten, was passiert, wenn man im Laufe der Ausbildung bzw. des Studiums 30 wird. Ganz einfach: Gar nichts! Die BAföG Altersgrenze bezieht sich einzig und allein auf dein Alter an deinem ersten Studientag bzw. Schultag (bei schulischer Ausbildung). 

BAföG Altersgrenze im Master

Für die zweite Frage müssen wir uns den im §10 erwähnten §7, Abs. 1a BAföG genauer anschauen. Da steht nämlich:

§7, Abs. 1a BAföG


Für einen Master- oder Magisterstudiengang im Sinne des § 19 des Hochschulrahmengesetzes oder für einen postgradualen Diplomstudiengang im Sinne des § 18 Abs. 1 Satz 1 bis 3 des Hochschulrahmengesetzes sowie für vergleichbare Studiengänge in Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der Schweiz wird Ausbildungsförderung geleistet, wenn

  • er auf einem Bachelor- oder Bakkalaureusstudiengang aufbaut oder im Rahmen einer Ausbildung nach § 5 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 3 erfolgt und auf einem noch nicht abgeschlossenen einstufigen Inlandsstudium aufbaut, das von der aufnehmenden Hochschule als einem Bachelorabschluss entsprechend anerkannt wird, und
  • der Auszubildende bislang ausschließlich einen Bachelor- oder Bakkalaureusstudiengang abgeschlossen oder im Sinne der Nummer 1 eine Anerkennung des bisherigen Studiums als einem solchen Abschluss entsprechend erreicht hat.

Vereinfacht gesagt, hast du für die Aufnahme eines Masterstudiums Zeit bis du 35 wirst, wenn du vorher nur ein Bachelorstudium (kein Diplom, Magister oder Staatsexamen) abgeschlossen hast.

Verschiebung der BAföG Altersgrenze

Im 3. Fall haben wir jemanden, der bzw. die klassischerweise tatsächlich zu alt für BAföG ist. Da sie zu Beginn des Studiums bereits 30 war. Allerdings gibt es gesetzlich anerkannte Gründe, die einen späteren Ausbildungsbeginn bzw. die Verschiebung der BAföG Altersgrenze für Einzelfälle rechtfertigen. Diese sind:

§10, Abs. 3 BAföG


  • 1. der Auszubildende die Zugangsvoraussetzungen für die zu fördernde Ausbildung in einer Fachoberschulklasse, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, an einer Abendhauptschule, einer Berufsaufbauschule, einer Abendrealschule, einem Abendgymnasium, einem Kolleg oder durch eine Nichtschülerprüfung oder eine Zugangsprüfung zu einer Hochschule erworben hat,
  • 1a. der Auszubildende ohne Hochschulzugangsberechtigung auf Grund seiner beruflichen Qualifikation an einer Hochschule eingeschrieben worden ist,
  • 1b. der Auszubildende eine weitere Ausbildung nach § 7 Absatz 2 Nummer 2 oder 3 aufnimmt,
  • 2. (weggefallen)
  • 3. Auszubildende aus persönlichen oder familiären Gründen gehindert waren, den Ausbildungsabschnitt rechtzeitig zu beginnen; dies ist insbesondere der Fall, wenn sie bei Erreichen der Altersgrenzen bis zur Aufnahme des Ausbildung ein eigenes Kind unter zehn Jahren ohne Unterbrechung erziehen und während dieser Zeit bis zu höchstens 30 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt erwerbstätig sind; Alleinerziehende dürfen auch mehr als 30 Wochenstunden erwerbstätig sein, um dadurch Unterstützung durch Leistungen der Grundsicherung zu vermeiden, oder
  • 4. der Auszubildende infolge einer einschneidenden Veränderung seiner persönlichen Verhältnisse bedürftig geworden ist und noch keine Ausbildung, die nach diesem Gesetz gefördert werden kann, berufsqualifizierend abgeschlossen hat.
  • Satz 2 Nummer 1, 1b, 3 und 4 gilt nur, wenn der Auszubildende die Ausbildung unverzüglich nach Erreichen der Zugangsvoraussetzungen, dem Wegfall der Hinderungsgründe oder dem Eintritt einer Bedürftigkeit infolge einschneidender Veränderungen seiner persönlichen Verhältnisse aufnimmt.

In ihrem Fall verschiebt sich die Altersgrenze für den Studienbeginn aufgrund von Schwangerschaft und Kindererziehung. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nur das Kind eine Verschiebung rechtfertigt, das vor ihrem 31. Lebensjahr zur Welt kam. Zum Zeitpunkt der Geburt des zweiten Kindes war sie bereits 30, womit dieses Kind per se kein Grund für den späten Studienbeginn sein kann. Zu beachten ist hierbei auch, dass es hier nur um den Zeitfaktor Kinderbetreuung, nicht um finanzielle Gründe geht. Deshalb darf man zwischen der Geburt und dem Studienbeginn nicht mehr als 30 Stunden pro Woche gearbeitet haben es sei denn, man ist alleinerziehend). Die Logik dahinter: Wer Vollzeit mit Kind arbeiten kann, kann auch mit Kind studieren.

Für wen die BAföG Altersgrenze nicht gilt

Es gibt auch ein paar wenige Leute, die BAföG unabhängig von ihrem Alter beantragen können. Das sind z.B. diejenigen, die ganz ohne Abitur studieren oder Schüler, die ihren Schulabschluss auf dem 2. Bildungsweg nachholen wollen z.B. an einer Abendschule. Nicht zuletzt kann BAföG auch für berufliche Fortbildungen (AufstiegsBAföG) altersunabhängig wie z.B. Meister gewährt werden.

elternunabhängiges BAföG über 30

Die gute und schlechte Nachricht zu gleich ist: Beginnst du dein Studium erst nach deinem 30. Geburtstag gilt für deinen BAföG Antrag alles oder nichts. Sollte dein BAföG Antrag trotz überschrittener Altersgrenze bewilligt werden, steht dir elternunabhängiges BAföG zu. Demnach hast du gute Chancen auf den BAföG Höchstsatz von aktuell 735€ (Studenten). Sollte dein BAföG Antrag abgelehnt werden, weil du die persönlichen Voraussetzungen nicht erfüllst, kannst du mit dem Ablehnungsbescheid Wohngeld beantragen. Damit lohnt sich ein Antrag auf Ausbildungsförderung in jedem Fall für dich! Und wenn du dabei Hilfe brauchst, lass es uns einfach wissen.

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