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BAföG Erhöhung 2022 - Elternunabhängiges BAföG für alle?

BAföG Erhöhung 2022 - Elternunabhängiges BAföG für alle?

Sicherlich hast du schon das Gerücht gehört, dass die Regierung das BAföG künftig für alle förderungsfähigen Studierenden und Schüler*innen unabhängig vom Einkommen der Eltern machen will. Das hätte zur Folge, dass Millionäre genauso viel BAföG bekommen würden wie Hartz 4 Empfänger.

Am 4. März 2022 veröffentlichte die Regierung einen offiziellen Änderungsentwurf für das BundesAusbildungsrderungsGesetz und Spoiler: Millionärskinder werden auch künftig keine Chance auf BAföG haben. Für alle anderen erhöht sich die Chance auf BAföG trotzdem!

offiziellen Änderungsentwurf hier runterladen

Was kann ich von der BAföG Reform 2022 erwarten?

Erhöhung der BAföG Altersgrenze

Bisher dürfte man bis auf wenige Ausnahmen bei Antritt des Studiums bzw. der Ausbildung nicht älter als 30 Jahre sein. Allerdings häufen sich diese Ausnahmen immer mehr. Das merken wir auch bei unseren Kunden, die mit unserer Hilfe BAföG beantragen

Deshalb soll die BAföG Altersgrenze jetzt auf 45 Jahre angehoben werden, wobei nicht mehr zwischen Bachelor und Master unterschieden wird. Ein Master für Ü45 jährige wird nur gefördert, wenn er direkt an das Bachelorstudium anschließt. Erstmal arbeiten, ist also keine Option mehr, wenn ein Masterstudium theoretisch möglich gewesen wäre.

Die bisherigen Ausnahmen von der Altersgrenze bestehen weiterhin, sodass notfalls auch mit 50 ein BAföG Antrag gestellt werden kann.

Erhöhung des BAföG Höchstsatz

Studierende sollen bis zu ihrem 30. Geburtstag künftig auf bis zu 931 Euro statt 861 Euro haben. Ab 30 sind beträgt der BAföG Höchstsatz dann 1014 Euro monatlich. Das macht ein bis zwei Monatsmieten pro Jahr

Erhöhung der BAföG Freibeträge

Vermögensfreibetrag für BAföG-Antragsteller*innen

Aktuell werden nur 8.200 deines Vermögens von der Anrechnung freigestellt. Somit war spätestens bei 18.532 Euro Vermögen schluss mit BAföG. Aus Sicht des BAföG reicht das, um sich für die nächsten 12 Monate selbst über Wasser zu halten. Das mag vielleicht stimmen, trifft aber nicht auf jeden zu, zumal nicht jeder sein ganzes Vermögen spontan zu Geld machen kann. Beim Aufstiegsbafög gilt schon lange eine Vermögensgrenze von 45.000 Euro. Das soll ab Wintersemester 2022/23 auch auf Schule und Studium angewendet werden. Somit verschiebt sich die absolute Vermögensgrenze auf 56.172 Euro Gesamtvermögen. Es können aber auch weiterhin Härtefallanträge gestellt werden um bestimmte Vermögenswerte von der Anrechnung freizustellen (z.B. Eigenheim)

Einkommensfreibetrag für BAföG-Antragsteller*innen

Du darfst zusätzlich zum BAföG nicht nur mehr besitzen. Du darfst auch mehr verdienen. Aktuell gelten 5400 Euro brutto pro Jahr (durchschnitllich 450 Euro pro Monat) als ausreichender Zuverdienst. Ab kommenden Herbst sollen es passend zur Erhöhung des Mindesteinkommens 6350 brutto  jährlich (knapp 530 Euro monatlich) werden. Für jedes deiner Kinder erhöht sich dein Einkommensfreibetrag um weitere 730 Euro netto monatlich (vereinfacht) hinzu.

Wer Schulgeld oder Studiengebühren zahlt, die über den normal Semesterbeitrag hinaus gehen, darf weiterhein auf Antrag bis zu 905 dazuverdienen.

Einkommensfreibeträge der Eltern

Das Einkommen deiner Eltern wird zwar weiterhin für die meisten ein entscheidender Faktor im BAföG-Antrag sein, allerdings dürfen sie künftig 20% mehr verdienen als bisher.

BaföG Erhöhung 2022 zusammengefasst

Erhöhung BAföG Grundbedarf Schüler

ohne vorausgesetztem Ausbildungsabschluss:

Schule SJ 21/22
SJ 22/23
Berufsfachschulen und Fachschulklassen 247 €
260 €
nicht bei den Eltern:
Weiterführende allgemeinbildende Schulen, Berufsfachschulen, Fach- und Fachoberschulklassen
585 €
648 €
Abendgymnasien, Kollegs

454 € bei den Eltern
714 € eigene Wohnung

477 € bei den Eltern
778 € eigene Wohnung

Höhere Fachschulen, Akademien 479 € € bei den Eltern
752 € eigene Wohnung
508 € bei den Eltern
799 € eigene Wohnung

mit vorausgesetztem Ausbildungsabschluss:

Schule
SJ 21/22 SJ 22/23
Abendhauptschulen, Berufsaufbauschulen, Abendrealschulen, Fachoberschulklassen 448 €
470 €
Abendhauptschulen, Berufsaufbauschulen, Abendrealschulen, Fachoberschulklassen 681 €
731 €
Fachschulklassen
454 € bei den Eltern
714 € eigene Wohnung
477 € bei den Eltern
778 € eigene Wohnung

Erhöhung BAföG Grundbedarf Studenten

Für alle höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen gilt:

Grundbedarf
SS 2022
WS 22/23
bei den Eltern
479 €
508 €
eigene Wohnung
752
799 €

Erhöhung BAföG Bedarf für alle selbst versicherten Schüler und Studenten:

Krankenversicherung bis  22/23
ab 22/23
bis 30
84 €
94
ab 30
155 €
167 €
Pflegeversicherung


bis 30
25 € 28 €
ab 30
34 €
38€
Summe bis 30
109 €
132 €
Summe ab 30 189 €
205 €

Erhöhung BAföG Kinderbetreuungszuschlags:

Für jedes Kind unter 14 Jahren kann künftig einen Kinderbetreuungszuschlag von 160 €, statt der bsherigen 150 € monatlich beantragt werden, sofern man unter einem Dach lebt und kein anderer Haushaltsangehöriger diesen Zuschlag für sich beansprucht (z.b. anderer Elternteil)

Erhöhte Freibeträge für alle ab Herbst 2022

Da die offiziellen Freibeträge sich auf bereinigtes Einkommen beziehen und das ein ziemlichabstraktes Konzept ist, was den Otto-Normal-Mensch kaum hilft, beziehen sich alle folgenden Zahlen aufs Bruttogehalt von Angestellten. Der Tatsächliche individuelle Freibetrag kann, je nach Art des Einkommen und tatsächlicher Höhe der Steuern, von der Tabelle abweichen.

Eigenes Einkommen und Vermögen


 bis 22/23
 ab 22/23
Grundfreibetrag Einkommen
5.400 € jährlich
450 € monatlich
6.600 € jährlich
550 € monatlich
zusätzlich für Verheiratete
bis zu 950 € monatlich
11.400 € jährlich
bis zu 1.122 € monatlich  13.464 € jährlich
zusätzliches Einkommen pro Kind

bis zu 874 € monatlich   10.488 € jährlich

bis zu 1.033 € monatlich 12.396 € jährlich

Vermögen
8.200 €
45.000 €
zusätzliches Vermögen verheiratete
2.300 €
2.300€
zusätzliches Vermögen pro Kind
2.300 €
2.300 €

Verheiratete Antragsteller*innen mit einem Kind können mit monatlichen Einnahmen von bis zu 3.824 € brutto monatlich rechnen (BAföG + Nebenjob). Außerdem würden 49.600 € Vermögen anrechnungsfrei bleiben.

Einkommen der Eltern

Alle Zahlen beziehen sich aufs Bruttogehalt von Angestellten Angestellte. Der Tatsächliche individuelle Freibetrag kann, je nach Art des Einkommen und tatsächlicher Höhe der Steuern, von der Tabelle abweichen.


 2021/2022
2022/ 2023
miteinander verheiratet
30.600 € jährlich
2.645 € monatlich
36.700 € jährlich
3.150 € monatlich
nicht miteinander verheiratet oder getrennt
20.385 € jährlich +10.240 € 1.790 €  monatlich +950 € für Ehegatten
26.660 jährlich +13.464 € jährlich
2.130 € monatlich +1.122 für Ehegatten
Geschwister 10.500 € jährlich
874 € monatlich
12.400 € jährlich
1.030 € monatlich

Bei gemeinsamen Kindern wird der Freibetrag auf beide Elternteile aufgeteilt.

Jetzt sollte hoffentlich klar sein, warum niemand die Frage: "Wie viel dürfen meine Eltern verdienen?" mal eben so beantworten kann. Das hängt von mindestens 7 Faktoren ab.

Einkommen Ehegatten der Bafög-Empfänger*in


2021/2022
2022/2023
Grundfreibetrag
20.385 € jährlich
1.790 € monatlich

26.660 jährlich
2.130 € monatlich

pro Kind

10.500 € jährlich
874 € monatlich

12.400 € jährlich
1.030 € monatlich

Was die nächste BAföG Erhöhung für dich bedeutet

Alles in allem beutet das mehr BAföG für alle. Wer beim letzten BAföG Antrag bekommen hat, weil die Freibeträge überschritten wurde, sollte dem BAföG nochmal eine Chance geben und zum Wintersemester 22/23 BAföG beantragen. Wer schon BAföG bekommt, bekommt künftig einfach mehr.

All das ist noch nicht endgültig im Bundestag beschlossen, aber es ist davon auszugehen, dass es so oder so ähnlich kommen wird. Ich glaube jedenfalls nicht, dass wir in absehbarer Zeit elternunabhängiges BAföG für alle bekommen werden. Elternunabhängiges BAföG bekommt man auch künftig nur unter bestimmten Bedingungen und wir werden dir weiterhin mit unserem Antragsservice gern dabei helfen, wenn du das möchtest.

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BAföG-Hotline 0800-223 63 41

Die offizielle Hotline des Deutschen Studentenwerks ist erreichbar

von montags bis freitags 8 - 20 Uhr (kostenfrei).

2 Kommentare

  • Ich hätte eine Frage. Dort steht bis 22/23 schon für ab 30 Jahre alte Personen gäbe es evtl dann schon um die 180 Euro KK und PV, bedeutet es, das würde nachträglich bezahlt werden? Man steckt ja schon aktuell in einem Bafög Zuschuss drin. Also bekommt es ja schon und 2022 ist schon aktuell am laufen. Mir würde das natürlich sehr helfen, erhalte aber soweit ich weiß noch die knappe 100 Euro. Wenn im Entwurf und bis 2022 steht, wie soll ich das verstehen? Vielen herzlichen Dank für die Auskünfte
  • Hey Nancy,

    Der Entwurf ist eben nur ein Entwurf, für den man niemand festnageln kann. Theoretisch könnte sich bis inkrafttreten noch alles ändern, was ist nicht wird. Wenn sich etwas ändert, dann einzelne Details. Du bekommst auch jetzt schon ab 30 189 € für KV + PV. Du musst dem Amt nur eine Bescheinigung von deiner Krankenkasse schicken, auf der Beitragshöhe sowie Rechtsgrundlage ausgewiesen sind. Ich nehme an, dass dieser Zuschlag rückwirkend korrigiert wird, bin mir aber nicht sicher. Würde mich nicht wundern, wenn erst ab Mitteilung beim Amt passiert. BAföG kann man ja generell nicht rückwirkend beantragen. "Wenn im Entwurf und bis 2022 steht, wie soll ich das verstehen?" Das frag ich mich auch. Was meinst du denn jetzt genau?
    Die Bedarfe im laufenden BWZ werden meines Verständnisses nach automatisch berücksichtigt und alle Betroffenen sollten dann einen neuen Bescheid bekommen, der ab Inkrafttreten der Gesetzesänderung gilt. Zumindest war das bei mir damals so als mein eigenes BAföG erhöht wurde. Die Freibeträge richten sich jedoch auf den Zeitpunkt der Antragstellung. Wer also beim leetzten Antrag aufgrund seines Alters, Einkommens oder Vermögens abgelehnt wurde, muss dann einen neuen Antrag stellen.

Was denkst du?