Kindergeld im Studium ~Voraussetzungen, Höhe und Tipps zum Antrag

Kindergeld im Studium ~Voraussetzungen, Höhe und Tipps zum Antrag

Als Student hat man es bekanntlich nicht immer leicht: Zahlreiche Vorlesungen, zeitlicher Druck und häufig auch noch Prüfungsstress – und zudem sieht es in den meisten Fällen auch finanziell nicht immer rosig aus. Aber wusstest du schon, dass du quasi während der gesamten Studienzeit Kindergeld beziehen kannst? Die üppige finanzielle Unterstützung vom deutschen Staat könnte vielen Studenten wirklich weiterhelfen, doch wissen leider nur die wenigsten, dass sie diesen Anspruch überhaupt geltend machen können. Aus diesem Grund möchten wir das Thema Kindergeld während des Studiums etwas genauer unter die Lupe nehmen und dir zeigen, wie du die monatliche Finanzspritze beanspruchen kannst, welche Stolpersteine es gibt und auf was du darüber hinaus noch achten musst.

kindergeld studium

Wie viel Kindergeld bekomme ich?

Die Höhe des Kindergeldanspruchs richtet sich vor allem nach der Anzahl der Kinder deiner Eltern und wird fast jedes Jahr erhöht. Aktuell kannst du folgende Beträge erwarten:

Kalenderjahr

1. Kind

2. Kind

3. Kind

4. Kind und jedes weitere

2018

194 Euro

194 Euro

200 Euro

225 Euro

2019

204 Euro

204 Euro

210 Euro

235 Euro

Je mehr Geschwister du hast, desto mehr Kindergeld bekommen deine Eltern also für dich.

Die Höhe des Kindergeld-Betrages – der übrigens erst im Juli 2019 von der deutschen Bundesregierung erhöht wurde – ist in erster Linie von der Anzahl der Kinder abhängig. Das bedeutet: Je mehr Kinder unter 18 Jahren in einem Haushalt leben, desto höher wird auch der Gesamtbetrag. Dieser setzt sich dann wie folgt zusammen: Für das erste und das zweite Kind erhalten die Eltern jeweils 204 Euro monatlich. Für das dritte Kind gibt es hingegen 210 Euro, während für jedes weitere Kind dann 235 Euro pro Monat ausgezahlt werden. Dementsprechend würden Eltern von fünf Kindern, die allesamt noch nicht volljährig sind, insgesamt 1.088 Euro von der Familienkasse erhalten.

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Kindergeld ist eine steuererleichterung für Eltern in Deutschland unabhängig von der Staatsbürgerschaft und Einkommen. Kindergeld gibt es für jedes minderjährige Kind und Kinder in Ausbildung bis zum 25. Geburtstag. Das betrifft auch Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen.

Damit haben nahezu alle Studenten die Möglichkeit, während des gesamten Erststudiums Kindergeld beanspruchen zu können. Etwas anders verhält es sich bei einem Zweitstudium oder einer zusätzlichen Ausbildung nach einem bereits abgeschlossenen Studium, aber dazu später mehr. Im ersten Schritt gilt es zu verstehen, was Kindergeld eigentlich genau ist, an wen es ausgezahlt wird und an welche Bedingungen die finanzielle Unterstützung des Staates geknüpft ist. Durch die Auszahlung des Kindergeldes soll sichergestellt werden, dass Eltern den notwendigen Lebensunterhalt für ihre Kinder aufbringen können, ohne dabei in eine finanzielle Notsituation zu geraten. Rein rechtlich gesehen hast also nicht du den Anspruch auf die monatliche Zahlung, sondern deine Eltern. Zudem wird das Kindergeld auch nur bis zu deinem 18. Geburtstag ausgezahlt. Eine Fortführung der Bezüge ist zwar möglich, dann jedoch an gewisse Bedingungen gebunden.

Kindergeldanspruch bei einem Auslandsstudium

Praktischerweise musst du aber nicht zwangsläufig in Deutschland studieren, denn der Kindergeldanspruch kann auch bei einem Auslandsstudium geltend gemacht werden. Zusätzlich kannst du Auslandsbafög für dein gesamtes Studium in der EU erhalten. 

Bei einem Studienaufenthalt außerhalb der EU Staaten bzw. des EU-Wirtschaftsraums kommt es auf die Dauer des Aufenthalts an: Bei einem Studienaufenthalt von bis zu einem Jahr gibt es in der Regel keine Probleme bei der Weitergewährung des Kindergeldes.

Kindergeld und Einkommen

Verfällt der Anspruch auf Kindergeld, wenn man einen Nebenverdienst während des Studiums hat?

Praktischerweise können deine Eltern selbst dann Kindergeld vom Staat beziehen, wenn du während deines Studiums nebenbei Geld verdienst. Dabei spielt die Höhe deiner Einkünfte übrigens keine Rolle. Allerdings gilt das nur während deiner Erstausbildung. Denn falls du bereits einen berufsqualifizierenden Abschluss besitzt und nun zum Beispiel ein zweites Studium beginnen möchtest, erlischt der Anspruch, sobald deine wöchentliche Arbeitszeit über dem festgelegten Jahresdurchschnitt von 20 Stunden liegt. Wenn du also beispielsweise während der Semesterferien zwei Monate lang 40 Stunden Vollzeit arbeitest, musst du deine Arbeitszeiten in den Folgemonaten so weit reduzieren, dass du im Schnitt wieder auf die maximal 20 Stunden pro Woche kommst. Als Ausnahmen greifen hier nur die sogenannten Ausbildungsdienstverhältnisse (also Praktika, Volontariate und Co.), Minijobs auf 450-Euro-Basis und kurzfristige Beschäftigungen, wie beispielsweise Projektarbeiten.

Beachte jedoch, dass du mit mehr als 20 Arbeitsstunden pro Woche noch Kindergeld im Studium beziehen kannst, aber kein BAföG. Außerdem würdest du aus der studentischen Krankenversicherung fallen.

Dementsprechend würden Eltern von fünf Kindern, die allesamt noch in Schule, Ausbildung oder Studium sind und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, insgesamt 1.088 Euro von der Familienkasse erhalten.

Kindergeld und BAföG – geht das überhaupt?

Diese Frage lässt sich kurz und knapp mit Ja beantworten, denn der Anspruch deiner Eltern auf Kindergeld besteht auch dann, wenn du den BAföG-Höchstsatz erhältst. Das liegt in der Hauptsache daran, dass das Kindergeld nicht in die Berechnung der BAföG-Unterstützung mit einfließt. Ob du jedoch zusätzlich zum BAföG auch Zugriff auf das Kindergeld hast, liegt verständlicherweise an deinen Eltern – denn wie weiter oben bereits erwähnt, können nur sie das Kindergeld beantragen und dann gegebenenfalls an dich weiterleiten, um dich bei deinem Studium weiterhin zu unterstützen.

Wechselwirkung von Kindergeld und anderen Sozialleistungen

Kindergeld zählt außer bei Hartz 4 nirgends als Einkommen. Du brauchst Kindergeld also weder beim Wohngeld oder BAföG Antrag noch bei der Steuererklärung anzugeben. Egal, ob du das Kindergeld als Student für dich selbst oder für dein Kind bekommst.

Kindergeld beantragen: Wie geht das und auf welche Besonderheiten musst du dabei achten?

Den Kindergeld Antrag stellst du bzw. deine Eltern bei eurer zuständigen Familienkasse am  Wohnort deiner Eltern.

Wenn deine Eltern keine keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, benötigen sie eine sogenannte Niederlassungs- beziehungsweise Aufenthaltserlaubnis, um überhaupt Kindergeld beantragen zu können. EU-Staatsbürger aus Mitgliedsländern des europäischen Wirtschaftsraumes können hingegen ohne weitere Einschränkungen direkt einen solchen Antrag stellen. Dieser muss dann schriftlich bei der Familienkasse eingereicht werden. Wichtig: Je eher der Antrag gestellt wird, desto besser – denn rückwirkend beantragtes Kindergeld wird nur für die letzten 24 Wochen ausgezahlt. Die Zahlung erfolgt dann monatlich und auf jeden Fall bis zum Erreichen der Volljährigkeit.

Wenn du über dein 18. Lebensjahr hinaus Kindergeld beziehen möchtest, musst du entweder eine berufsbezogene Ausbildung absolvieren, eine allgemeinbildende Schule besuchen, ein Pflichtpraktikum, Volontariat oder Referendariat ausführen oder eben an einer Fachhochschule beziehungsweise an einer Universität eingeschrieben sein.

Kindergeld online beantragen und ein abschließender Tipp

Seit kurzem ermöglicht die Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise die Familienkasse die Antragstellung auf eine Weiterbewilligung des Kindergeldes für studierende Kinder über das Internet. Dazu schickt die Familienkasse den Eltern nach der abgeschlossenen Schulausbildung des Kindes einen speziellen Zugangscode, der auf der Webseite der Institution eingegeben werden kann, um dort die Weiterbewilligung direkt zu beantragen. Damit das auch reibungslos klappt, muss allerdings ein offizieller Studiennachweis hochgeladen werden. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du dich auch tatsächlich für die Zahlung des Kindergeldes während des Studiums qualifizierst, oder Zweifel daran hast, dass du alle Voraussetzungen auch in naher Zukunft erfüllen kannst, empfiehlt sich definitiv ein persönliches Beratungsgespräch mit deinem Ausbildungsleiter, einem Sachbearbeiter der Familienkasse oder dem Studienberater an deiner Hochschule. So kannst du dir nämlich sicher sein, dass du alles richtig machst und während deines Studiums garantiert mit der finanziellen Unterstützung rechnen kannst.

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Studieren mit Behinderung ist eine Herausforderung, aber nicht unmöglich. Ich selbst sitze im Rollstuhl und habe Mittel und Wege gefunden, an einer der 20 größten Universitäten Deutschlands erfolgreich zu studieren. Hier auf StudierenPlus möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen mit dir teilen, um dieses Abenteuer ebenfalls zu meistern.

Konrad Braun Publizistik B.A
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