Bewerbung mit Bachelorabschluss: Bist du qualifiziert genug?
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Was heißt eigentlich qualifiziert sein?
Grundsätzlich heißt qualifiziert sein, dass jemand die für eine Aufgabe oder Job vorgegebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringt. Es handelt sich um nachweisbare, messbare Kenntnisse, die zur Ausübung der Tätigkeit nötig sind. In der Regel kann man zumindest einen Teil der in der Stellenausschreibung gewünschten Fähig- und Fertigkeiten vorweisen.
Eine Differenzierung: die Fähigkeiten lassen sich zwar kultivieren, sind aber von den eigenen Voraussetzungen – etwa den kognitiven Fähigkeiten – abhängig. Fertigkeiten werden erlernt – das fällt leichter, wenn man die dafür nötigen Fähigkeiten mitbringt.
Wer also keine feinmotorischen Fähigkeiten hat, wird die Fertigkeiten, die man etwa als Feinwerktechniker:in braucht, schwerer erlernen.
Du siehst also: Dein Ass im Ärmel ist die Tatsache, dass du dir wohl genau in dem Fach Fertigkeiten angelernt hast bzw. gerade aneignest, in dem du auch die wichtigsten Fähigkeiten mitbringst. Wenn du kein kommunikativer Typ bist, hast du vermutlich auch keinen Bachelor in Kommunikationswissenschaften, oder?
Mehr noch: du hast dein Bachelorstudium in der Tasche, welches du aller Wahrscheinlichkeit nach dahingehend ausgewählt hast, was dir liegt, dich interessiert, dich begeistert. Du kannst dir also sicher sein, dass du mit deinem Abschluss sowohl Fähigkeiten als auch Fertigkeiten besitzt.
Aber reichen die Qualifikationen aus? Im Folgenden geben wir dir ein paar Anhaltspunkte, über die du vor deiner Bewerbung für die Stelle nachdenken solltest.
Halte nach ähnlichen Jobs Ausschau
Hast du eine Stellenausschreibung vor dir und fragst dich, ob du qualifiziert genug bist, dann schau im Netz auch die Beschreibung gleicher oder ähnlicher Jobs an. Diverse Dinge werden sich überschneiden, andere aber nicht. So bekommst du ein besseres Gefühl dafür, wie wichtig die jeweiligen genannten Fähig- und Fertigkeiten in dem Bereich sind.
Wenn dir die eine oder andere fehlende Kompetenz deinerseits Sorgen bereitet, dann siehst du auf diese Art, ob du sie nicht vielleicht selbst etwas zu wichtig nimmst. Handelt es sich um deinen absoluten Traumberuf und du siehst, dass du eine wichtige Fertigkeit einfach nicht mitbringst, dann lohnt sich eventuell eine Weiterbildung. So kannst du in deinen Lebenslauf schreiben, dass du dir diesen einen Skill gerade aneignest.
Das zeigt Willen zur Weiterentwicklung und erzeugt ein pro-aktives, engagiertes Bild von dir.
Frag Leute vom Fach
Wenn du dich für eine Tätigkeit interessierst, dann lohnt es sich immer, die Menschen zu befragen, die sie bereits ausüben. In Zeiten von LinkedIn und Karriereportalen ist es nicht mehr schwer, Erfahrungsberichte einzuholen.
Unter Umständen steht dir jemand sogar persönlich Rede und Antwort und erzählt dir etwas über den Berufsalltag und den allerwichtigsten Skills. Vielleicht erkennst du dadurch, dass etwas, das für dich übergeordnet wichtig klang, gar nicht so ausschlaggebend ist. Im Umkehrschluss findest du vielleicht auch heraus, welche deiner vorhandenen Fähig- und Fertigkeiten du noch weiter kultivieren solltest. Auch kannst du dir so etwas den Respekt vor der Bewerbung nehmen (lassen).
Die Krux mit der Berufserfahrung: Du kommst gerade frisch von der Uni und möchtest den Berufseinstieg schaffen. Natürlich fehlt es dir an Berufserfahrung, wie soll es auch anders sein. Das heißt aber nicht, dass du dich nicht bewerben sollst, wenn in der Stellenausschreibung von Erfahrung die Rede ist.
In der Regel hast du Projekterfahrung gesammelt, die mehr oder weniger nahe an der tatsächlichen Arbeitspraxis ist. Vielleicht hast du auch mit einem Nebenjob Kompetenzen gesammelt. Diese Erfahrung darfst du selbst auch nennen und deine Erfolge hochhalten – auch deine Lernfähigkeit und Motivation darfst du nennen.
Noch ein vorteilhafter Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf: Ein Vergleich bzw. Gespräch mit anderen entkräftet vielleicht die eigenen negativen Glaubensansätze und verschafft einem eine andere Perspektive.
Vielleicht bekommst du den einen oder anderen Erfahrungsbericht – sogar von Quereinsteigern –, der deine Denkmuster aufbricht und dir den Schubs gibt, den du brauchst, um dich für die Stelle zu bewerben. Schließlich haben das andere auch geschafft.
Hinterfrage deine Einstellung
Wie im vorherigen Punkt erwähnt – unter Umständen trägt man einige Denkmuster und Meinungen mit sich herum, die weder zeitgemäß noch realistisch sind. Dazu gehört vielleicht auch die Annahme, dass man nicht qualifiziert genug ist.
Denn gesagt sei eines: Unternehmen – vor allem große Unternehmen – bekommen massenhaft Bewerbungen. Das ist der Grund, wieso das Qualifikationsprofil aussieht, als müsste man mit 25 ein menschliches Schweizer Taschenmesser mit 10 Jahren Erfahrung sein.
Das ist jedoch selbstverständlich nicht realistisch und dient rein dem Zweck, die Flut an Bewerbungen einzudämmen. Eine viel zitierte HBR-Studie zeigt: Männer bewerben sich im Schnitt schon bei 60 % Matching, Frauen oft erst bei 100 %. Das heißt: Erfüllst du über die Hälfte der gewünschten Qualifikationen, solltest du dich auf jeden Fall bewerben. Der Versuch ist nicht so aussichtslos, wie du vielleicht denkst, denn die Unternehmen wissen auch, dass ihr Perfect Match wahrscheinlich gar nicht wirklich existiert. Also – trau dich!
Zur Einstellung gehört auch ein gewisses Maß an Selbstvertrauen gepaart mit Bescheidenheit. Kenne deine Stärken und auch deine Schwächen und sei ihnen gegenüber ehrlich. Es geht nicht darum, Qualifikationen im Bewerbungsschreiben zu erfinden, denn das ist nie eine gute Idee.
Viel eher solltest du deine Bewerbung auf die jeweilige Stelle ausrichten und genau die Fähig- und Fertigkeiten hervorheben, die zum Job passen. Hier solltest du konkrete Beispiele nennen können.
Bist du qualifiziert genug? Wahrscheinlich schon!
Auch wenn dir eine in der Stellenbeschreibung genannte Qualifikation fehlt, heißt das noch lange nicht, dass du dich nicht bewerben sollst. Vergleiche die Anforderungen mit ähnlichen Tätigkeiten, hol dir Meinungen von Menschen, die in diesem Feld tätig sind und gib nicht klein bei. Sei selbstbewusst und hebe hervor, was du kannst und wie gut deine weiteren Skills zum Job passen. Du brauchst nicht zwingend einen Masterabschluss, um den Berufseinstieg zu schaffen.
7 Tipps für deine Bewerbung mit Bachelorabschluss
Bevor du eine Stelle gar nicht erst bewirbst, weil du dich nicht “qualifiziert genug” fühlst – probier mal das hier aus:
- Stellenanzeige mit Distanz lesen — Firmen listen oft Wunschqualifikationen auf, die wenige bis null Bewerber komplett erfüllen. Eine viel zitierte HBR-Studie zeigt: Männer bewerben sich im Schnitt bei 60 % Matching, Frauen erst bei 100 %.
- Skills-Check statt Titel-Check — Was KANNST du? Präsentationen halten, Daten analysieren, Menschen moderieren? Das zählt oft mehr als der Masterabschluss.
- Ehrenamt, Praktika, Studentenjobs in die Bewerbung — nicht nur Studium und Noten aufzählen.
- Motivationsschreiben schreiben, auch wenn es nicht gefordert ist. Das zeigt Eigeninitiative.
- Netzwerken — LinkedIn ausfüllen, Alumni-Kontakt nutzen, Branchenevents besuchen. Viele Jobs werden nie ausgeschrieben.
- Übung macht den Meister — Vorstellungsgespräche sind wie Muskeln. Jedes Gespräch macht dich besser, auch wenn es eine Absage gibt.
- Selbstbewusst auftreten — deine Qualifikation ist das, was du dir zutraust, plus das, was du schon gemacht hast. Nicht das, was auf deinem Abschlusszeugnis steht.
Mit Bachelor direkt in den Job – oder doch noch den Master?
Die Entscheidung hängt von deinem Fach und deinen Zielen ab:
- BWL, Kommunikation, Soziale Arbeit, IT: Hier reicht der Bachelor in vielen Firmen aus, besonders in mittelständischen Unternehmen.
- Technik, Maschinenbau, Chemie, Forschung: Master ist de facto Standard, der Bachelor-Einstieg ist schwieriger.
- Medizin, Jura, Lehramt: Master/Staatsexamen ist unverhandelbar.
- Berater, Banken, Big 4: Master wird meist erwartet, Bachelor geht aber in Trainee-Programmen.
Mein Tipp: Bewirb dich einfach mal parallel zum Master-Studium oder direkt nach dem Bachelor. Du verlierst nichts und bekommst wertvolle Marktfeedback zu deinem Profil.
Häufig gestellte Fragen zur Bewerbung mit Bachelor
Ist der Bachelor ein vollwertiger Abschluss?
Ja. Seit der Bologna-Reform ist der Bachelor ein eigenständiger berufsqualifizierender Abschluss. Rechtlich gibt es keine Abstufung gegenüber dem Master.
Verdient man mit Bachelor weniger als mit Master?
Zum Berufseinstieg oft ja — im Schnitt 10-20 % Unterschied. Nach 5-10 Jahren gleicht sich das Gehalt aber oft an, da Berufserfahrung stärker zählt als der Titel.
Kann ich mich ohne Abschluss schon bewerben?
Ja, als Werkstudent, Trainee oder Absolvent-Programm-Kandidat — mit dem Hinweis “Abschluss voraussichtlich im [Datum]”.
Was tun, wenn die Stellenanzeige einen Master fordert?
Bewirb dich trotzdem mit einem überzeugenden Anschreiben. “Erforderlich” ist oft eine Wunschvorstellung. Zeig, warum DU passt — durch Projekte, Praktika oder Skills.
Wie finde ich Firmen, die Bachelor-Absolventen einstellen?
Auf StepStone, LinkedIn, XING nach Filter “Berufseinsteiger” oder “Trainee” suchen. Viele Mittelständler und Start-ups sind offen für Bachelor, kleinere Firmen generell noch mehr.
Soll ich erst einen Nebenjob annehmen oder gleich einen Vollzeitjob?
Wenn finanziell möglich: auf Vollzeit mit Karrierepotenzial warten. Ein stumpfer Nebenjob “wegen nichts Anderem” kann im Lebenslauf sogar negativ wirken. Minijob nach dem Abschluss im Detail: Link zum Artikel.
Wie lange darf die Jobsuche nach dem Abschluss dauern?
Bis zu 3-6 Monate werden von Arbeitgebern akzeptiert. Danach solltest du die Zeit erklären können — z. B. durch Sprachreise, Ehrenamt oder Weiterbildung.