Gliederung Bachelorarbeit – 5 Tipps für wissenschaftliche Texte

„Dann kommen sie mal nochmal mit der fertigen Gliederung zu mir, und dann können Sie loslegen!“. So entlassen Profs ihre Studenten gerne nach der ersten Besprechung für eine Bachelor- oder Hausarbeit. Das Thema ist abgesteckt, der Prof findet es „total spannend“ und eine Gliederung lässt sich ja auch mal eben aus dem Ärmel schütteln.

Ganz so einfach ist das leider doch nicht.

Eine Gliederung ist nicht nur später das Inhaltsverzeichnis für deine Arbeit, sondern auch deine Arbeitsanleitung, dein roter Faden und eine Art Kurzexposé für den gesamten Text. Wenn du es richtig anstellst, kannst du deine Arbeit in wenigen Tagen runterschreiben. Ein wenig Zeit und Hirnschmalz in die Gliederung zu stecken, macht also extrem Sinn. Es gibt sogar Leute, die mit dieser Methode ganze Abschlussarbeiten in zwei Wochen schreiben, ohne vorher Plan von der Materie zu haben.

Also: Kaffee kochen, Musik an und los geht’s!

Dein Thema ist grob umrissen und du hast dich schonmal mit der vorhandenen Literatur vertraut gemacht. Du weißt, wo die Bücher für dein Thema stehen und hast mit deinem Prof besprochen, wie lang die Arbeit werden soll.

Um eine erste Gliederung zu bekommen, musst du nicht schon alles zu deinem Thema wissen. Es ist aber wichtig, zentrale Aspekte zu kennen, die nötig sind, um deine Geschichte zu erzählen!

Gliederung Hausarbeit

Die Gliederung kannst du dir weiter unten als Word-Vorlage direkt runter laden!

1. Gliederung Bachelorarbeit: Erzählt eine Geschichte!

Denk dir deine Haus- oder Bachelorarbeit als eine Geschichte! Welche Punkte gehören auf jeden Fall in die Geschichte, damit die Leser sie auch verstehen? Welche Informationen brauchen die Leser, damit alles klar wird?

Nun hast du schon eine erste Vorstellung, wo die Reise hingeht und kannst erste Wegpunkte auf deinem Arbeitsprozess benennen.

2. Die erste Gliederung ist nicht die letzte!

Du wirst deine Gliederung während des Schreibens abändern! Versuche, dich nicht von deiner ersten Gliederung abhängig zu machen. Die Inhaltsstruktur deiner Arbeit kann durch neue Ideen, Rechercheergebnisse oder neue Priorisierungen nochmal umgeschmissen werden und das ist kein Problem! Eine gute Gliederung entwickelt sich!

Nun denkst du dir: „Klasse, aber ich muss doch wissen, was am Ende dabei rauskommt!“

Jein.

Tatsächlich ist jeder Forschungsprozess (und deine Hausarbeit ist das) ergebnisoffen. Du überlegst dir am Anfang eine Arbeitshypothese, die du entweder bestätigen oder revidieren kannst. Oft herrscht unter Studenten das Misverständnis, dass nur eine bestätigte Hypothese eine gute Hypothese ist.

Keiner verlangt, dass du zu Beginn deiner Arbeit schon weißt, was am Ende rauskommt. Nur, dass du dir eine sinnvolle Frage überlegst, der du auf den Grund gehst. Wie auch immer der dann eben aussehen mag.

3. Die klassische Gliederung ist dein Backstage Bereich​

Es gibt im Internet millionenfach Mustervorgaben für Gliederungen. Das Problem an Mustern ist ein naheliegendes: Jeder benutzt sie! Natürlich brauchst du nicht das Rad neu erfinden und mit deiner Gliederung deinen Prof schon so flashen, dass er die Arbeit gar nicht mehr lesen muss. Aber ein wenig Kreativität hilft sicherlich und immerhin ist die Gliederung das erste, was der Leser von deiner Arbeit sieht!

Die klassische Gliederung sieht so (oder so ähnlich) aus:

1) Einleitung (10%)

2) Hauptteil (80%)

3) Fazit/Ausblick (10%)

Nicht besonders spannend, oder?

Dieser Dreischritt dient aber nur als „Metaebene“, also als Überbau für deine Gliederung.

Die Einleitung​

Punkt 1 ist eigentlich immer für die Einleitung reserviert. Hier kommen Infos zu deiner Fragestellung rein, der Aufbau deiner Arbeit und warum du dich mit dem Thema beschäftigst. Hier solltest du beantworten, warum deine Forschungsfrage überhaupt für dein Fach relevant ist. Warum sollte sich dein Prof für deinen Text interessieren?

Der Hauptteil​

Punkt 2 nimmt den​ größten Teil der Arbeit ein und bereitet vermutlich die größten Bauchschmerzen. Dabei ist er eigentlich gar nicht so schwer.
Viele Studis glauben, dass sie schon hier wahnsinnig viele eigene Erkenntnisse und Gedankengänge einbauen müssen und scheuen sich davor Quellen ordnungsgemäß anzugeben. "Das wirkt ja so, als hätte ich nur Sätze aus anderen Büchern abgeschrieben und gar nichts eigenes gemacht." Hört man manchmal unter vorgehaltener Hand. Aber genau darum geht's beim wissenschaftlichen Arbeiten. Wir Studis sind ja noch keine richtigen Wissenschaftler. Wir sind Azubis. Unsere Geistesblitze gelten in der Welt der Wissenschaft noch nicht als anerkannt. Deshalb bedienen wir uns der Geistesblitze alteingesessener Wissenschaftler und ergänzen diese mit eigenem Forschungsdesign. Im Hauptteil beschreiben wir also eigentlich nur was wir gemacht haben und wieso wir das so gemacht haben. Und das "Wieso" verargumetieren wir mit schlauen Sätzen, die andere Wissenschaftler vor uns gesagt haben und deren Meinung wir teilen. Und um zu beweisen, dass das nicht auf unserem Mist gewachsen ist, sondern dass wir das so von jemand ganz schlauem gelernt haben, zitieren wir diese schlauen Menschen selbstverständlich so oft wir können sinngemäß unter Angabe der Quelle. Wenn's sein muss, hinter jedem einzelnen Satz. In der Wissenschaft geht es nämlich in erster Linie um Transparenz.

Das Ende

Punkt 3 bzw. das letzte Kapitel ist zudem immer ein Resümee deiner Arbeit. Hier dürfen keine neuen Informationen auftauchen, also nichts, was du nicht in irgendeinem anderen Kapitel schonmal erwähnt hast! Fasse deine Ergebnisse logisch zusammen und komme zu einer Schlussfolgerung. Das darf auch ruhig die Erkenntnis sein, dass mit dem angewandten Forschungsdesign zuverlässigen Ergebnisse erzielt werden konnten oder dass mehr neue Fragen als Antworten zutage kamen. Wenn dem so ist, formuliere diese als mögliche Folgefragen für dein Thema. Siehe das große Ganze. Das Fazit braucht Zeit! Manchmal hilft es erstmal ein wenig Abstand zur eigenen Arbeit zu bekommen. Schlaf ein bis zwei Nächte darüber. Lies dann deine Arbeit selbst nochmal komplett durch. Folge deiner eigenen Argumentationskette, die du nach und nach aufgebaut hast.

Jetzt weißt du, was inhaltlich wohin gehört. Wie du den Inhalt jetzt noch mit deiner Gliederung auf einen Blick sichtbar machst, verrate ich dir gleich.

4. Dein Inhaltsverzeichnis ist deine Bühne

Mit der klassischen Gliederung bestehend aus Einleitung, Haupt- und Schlussteil im Kopf, baust du jetzt deine Show für die Bühne. Überzeuge dein Publikum. Unterhalte ruhig ein wenig.

Eine gute Gliederung lässt bereits in den Kapitelüberschriften erkennen, wo der Hase langläuft. Deshalb ist Kreativität hier auf jeden Fall angesagt, denn „XY in seiner geschichtlichen Entwicklung“ ist zwar inhaltlich oft nötig, fängt den Leser aber nicht wirklich ein.

Triff Entscheidungen, was wirklich von Bedeutung ist für die Geschichte, die du erzählen willst.

In einem anderen Beitrag habe ich dir bereits gesagt, dass es sinnvoll sein kann, sich die Frage „Was will ich eigentlich zeigen/sagen/erklären?“ immer wieder vor Augen zu führen. Auch bei der Wahl deiner Kapitel solltest du das tun, um der Gefahr des Verzettelns schonmal ein wenig entgegen zu wirken.

Ob deine Gliederung nun vier oder 12 Kapitel hat, ist nicht wirklich von Belang. Wichtig ist, dass alle Kapitel sinnvoll sind und einen zentralen Punkt auf deinem Roten Faden beschreiben.

Etwas kreativiere Überschriften sorgen für Aufmerksamkeit aber übertreibe es nicht.

„XY früher und heute - ein Überblick“ klingt angenehm und sagt konkret, worum es im Kapitel gehen soll.

„Eine unendliche Geschichte: XY auf seinem Weg in die Gegenwart“ gehört eher in den Stern und nicht in eine wissenschaftliche Arbeit.

So findest du den roten Faden für deine Gliederung

Um es so einfach wie möglich zu machen, gibt es einen einfachen Trick: Überleg dir einen Arbeitstitel, der so gut wie möglich ausdrückt, was du eigentlich untersuchst. Es macht also Sinn , deine Forschungsfrage auszuformulieren, um daraus einen Titel zu entwickeln. Dann nimm diesen Titel auseinander und definiere jedes einzelne wichtige Schlagwort als eigenes Unterkapitel des Theorieteils.​ So hangelst du dich von Kapitel zu Kapitel bei der Recherche und musst nicht den ganzen Berg auf einmal bewältigen.

Beispiel​

Die Bedeutung der Vereinbarkeit von Studium und Kind als Teil des Hochschulmarketings -
Eine Bestandsaufnahme der Web-Kommunikation deutscher Hochschulen.
(Quelle: Luisas Bachelorarbeit)

1 Vereinbarkeit von Studium und Kind als Teil des Hochschulmarketings (Einleitung)

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

1.2 Abgrenzung der Themenstellung

1.3 Aufbau der Arbeit 

2 Begriffliche und theoretische Grundlagen (Hauptteil- Theorie)

2.1 Marketing im Hochschulbereich 

2.1.1 Definition und Eingrenzung des Begriffs Hochschule 

2.1.2 Ableitung und Definition des Begriffs Hochschulmarketing 

2.1.3 Instrumente des Hochschulmarketings 

2.2 Die Hochschulwebsite als Marketinginstrument 

2.3 Die Zielgruppe: Studierende mit Kind 

3 Untersuchung der Web-Kommunikation von Hochschulen (Hauptteil-Forschungsdesign)

3.1 Auswahl der Hochschulen 

3.2 Kriterien für die Untersuchung

4 Ergebnisse der Website-Untersuchung (Hauptteil-Forschungsergebnisse)

4.1 Angebotsspektrum 

4.2 Auffindbarkeit des Angebots 

4.3 Bündelung der Informationen

4.4 Qualität der Informationsaufbereitung 

4.5 Aktualität der Informationen

4.6 Verantwortlichkeit

4.7 Zielgruppe

4.8 Kommunikationsstrategie

4.9 Information vs. Marketing

4.10 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 

5 Empfehlungen für zielgruppengerechte Web-Kommunikation (Haupt oder Schlussteil)

6 Fazit (Schluss)

Natürlich wird deine Gliederung für deine wissenschaftliche Arbeit ganz anders aussehen, mehr oder weniger Kapitel und Abschnitte enthalten​. Auch die Proportionen können anders sein. je nachdem wie aufwändig der eigene Forschungs- und Theorieanteil ist. Dein Thema und Studiengang sind ja auch ein ganz anderer. Aber so hast du eine Idee davon, wie man strategisch an so eine Gliederung herangehen kann. Schau dir auch den Artikel zur Seminararbeit (Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht) an!

5. Sprich drüber!

Und das nicht nur mit deinem Prof! Der weiß nämlich schon, was du grundsätzlich erzählen willst. Gehe ruhig während des Schreibprozesses ein bis zwei Mal in die Sprechstunde, um sicherzustellen, dass du thematisch auf dem richtigen Weg bist, aber auch Freunde und Kommilitonen können hilfreich sein. Erklär ihnen, was du erzählen willst und zeig ihnen deine Gliederung. Fällt es dir leicht, deinen Themenschwerpunkt zu erläutern? Versteht dein Publikum, worauf du hinaus willst? Im Gespräch wird oft klar, wo du in deinem Kopf zwar linear argumentierst, auf dem Papier aber eine logische Lücke klafft.

Du siehst: Ich gebe dir hier keine vorformulierte Gliederung. Das kann ich auch gar nicht, denn jede Arbeit ist individueller Ausdruck deiner Kreativität.

Aber wenn du dich an die 5 Regeln hälst, wirst du vielen Problemen aus dem Weg gehen, denen ich mich schon gestellt habe.

Du hast noch Fragen zum Erstellen deiner Gliederung?

Hinterlasse mir ein Kommentar. Ich antworte. Versprochen!​

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- Björn

27 jähriger Doktorand und freier Journalist mit einem ordentlichen Hang zur Buchstabenschubserei! 

Björn 
Offizieller Autor bei Studieren+