Quereinstieg in die IT-Sicherheit nach dem Studium: Rollen, Gehalt, Zertifikate und Bildungsgutschein
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Der Abschluss ist geschafft, die Bewerbungen laufen, und die Antworten lassen auf sich warten. Viele Absolventinnen und Absolventen suchen in dieser Phase nach einem Feld, das tatsächlich einstellt. Die IT-Sicherheit gehört dazu, und sie ist offener für Leute ohne Informatikstudium, als die meisten denken: In einer Bitkom-Befragung von 2025 ging mehr als jede vierte neu besetzte IT-Stelle an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.
Ein Selbstläufer ist der Wechsel trotzdem nicht. Hier liest du, welche Rollen für Einsteiger wirklich offen sind, welches Studienfach wohin passt, was du verdienst, welche Zertifikate sich lohnen und wie du eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein finanzierst.
Wie gut sind die Chancen 2026?
Der Digitalverband Bitkom zählt aktuell 79.000 unbesetzte IT-Stellen (Stand: September 2026). 2023 waren es noch 149.000, 2025 rund 109.000. Leicht haben es die Unternehmen trotzdem nicht: 97 Prozent der Firmen mit offenen IT-Stellen haben Schwierigkeiten, sie zu besetzen. Unter den gesuchten Profilen landet die IT-Sicherheit mit 11 Prozent auf Platz vier, hinter Administration, Softwareentwicklung und Cloud. In welchen Branchen Uni-Absolventen sonst gesucht werden, zeigt unser Überblick zum Fachkräftemangel.
Für dich als Quereinsteiger ist eine andere Zahl spannender. Laut Bitkom-Studienbericht 2025 waren 27 Prozent der neu eingestellten IT-Fachkräfte Quereinsteiger, genauso viele wie Hochschulabsolventen aus dem IT-Bereich. 21 Prozent der Unternehmen, die Quereinsteiger einstellen, nennen als typischen Hintergrund einen Hochschulabschluss außerhalb der IT. Bis eine IT-Stelle besetzt ist, dauert es im Schnitt 7,7 Monate.
In der IT-Sicherheit kommt ein eigener Treiber dazu. Am 6. Dezember 2025 ist das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Kraft getreten. Laut BSI gelten damit für rund 29.500 Unternehmen neue gesetzliche Pflichten in der IT-Sicherheit, etwa beim Risikomanagement und bei der Meldung von Sicherheitsvorfällen. Bis Ende Juni 2026 hatten sich 17.729 Unternehmen beim BSI registriert. Viele von ihnen brauchen dafür zusätzliches Personal oder externe Dienstleister, vor allem für Governance und Compliance.
Welche Rollen gibt es – und welche passt zu deinem Studium?
„IT-Sicherheit“ ist kein einzelner Job, sondern ein Feld mit sehr unterschiedlichen Rollen. Manche sind technisch, andere drehen sich um Regeln, Prozesse und Menschen. Dein bisheriges Studium ist dabei kein verlorenes Kapitel: Das BSI sucht für den Berufseinstieg ausdrücklich auch „IT-Affine aus anderen Bereichen, wie etwa Politikwissenschaften, Jura oder BWL“.
| Rolle | Aufgaben | Einstieg | Passende Fächer |
|---|---|---|---|
| SOC-Analyst (Level 1) | Warnmeldungen bewerten und eskalieren | gut möglich, oft Schicht | Informatik, Mathe, Natur- und Technikfächer |
| GRC / Informationssicherheit | Richtlinien, Risikoanalysen, Audits nach ISO 27001, IT-Grundschutz, NIS-2 | gut möglich | Jura, BWL, Wirtschaftsinformatik, Verwaltung |
| Security Awareness | Schulungen und Phishing-Tests gegen Social Engineering | gut möglich | Psychologie, Kommunikation, Pädagogik |
| IT- und Security-Administration | Systeme absichern, Updates und Rechte verwalten | mit IT-Grundlagen | Informatik, Technik, IT-Support |
| Forensik und Incident Response | Angriffe analysieren, Spuren sichern | meist nach Jahren im SOC | Naturwissenschaften, Mathe, Informatik |
| Penetration Testing | Systeme im Auftrag angreifen, Schwachstellen dokumentieren | selten direkt | Informatik |
| Security Engineering | Schutzmaßnahmen für Netz und Cloud planen und einbauen | selten direkt | Informatik, Elektrotechnik |
Ohne Informatikstudium sind SOC und GRC die realistischsten Türen. Im GRC-Bereich zählen Sorgfalt, Textverständnis und Prozessdenken oft mehr als tiefes Technikwissen, und genau dort sorgt NIS-2 für zusätzlichen Bedarf. Penetration Testing wirkt in Serien spannend, ist aber nur selten ein Einstiegsjob.
Was Arbeitgeber sehen wollen: Zertifikat, Studium oder Praxis?
Für technische Einstiegsrollen zählt vor allem, ob du Grundlagen nachweisen kannst. Ein Studium hilft dabei, ersetzt den Nachweis aber nicht. Im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit heißt es zum Cyber-Security-Consultant: „Arbeitgebende erwarten häufig eine Weiterbildung oder ein Studium im Bereich Informatik.“ Für Quereinsteiger ist ein anerkanntes Zertifikat deshalb der übliche Weg, die fehlende Informatik-Ausbildung auszugleichen.
Mindestens genauso wichtig ist praktische Arbeit, die du zeigen kannst. Ein dokumentiertes Übungslabor oder ein paar sauber geschriebene Berichte zu Übungsaufgaben sagen im Gespräch mehr als eine Liste besuchter Kurse. Auch Capture-the-Flag-Wettbewerbe, bei denen Teams Sicherheitsaufgaben lösen, machen sich im Lebenslauf gut.
Wenn du noch nicht weißt, ob dir das Feld liegt, fang klein an. Mit einem kostenlosen Konto bei TryHackMe kannst du die frei zugänglichen Übungsräume nutzen, die Lernpfade sind im Gratistarif allerdings nur eingeschränkt verfügbar. Wer danach weitermachen will, baut sich zu Hause eine kleine Übungsumgebung mit virtuellen Maschinen auf und schreibt mit, was funktioniert und was nicht. Genau diese Notizen werden später zu deinen Arbeitsproben.
Zwei Dinge unterschätzen viele. Erstens die Sprache: Tools, Fachliteratur und viele Zertifikatsprüfungen sind englisch, deutsche Arbeitgeber erwarten aber zugleich sicheres Deutsch. Zweitens das Programmieren: Für SOC- oder GRC-Rollen musst du kein Entwickler sein. Wer einfache Skripte in Python oder PowerShell lesen und anpassen kann, hat aber spürbar bessere Karten.
Welche Zertifikate lohnen sich für den Einstieg?
Zertifikate sind in der IT-Sicherheit eine eigene Währung. Für den Einstieg kommen vor allem die folgenden infrage. Die Preise ändern sich regelmäßig, die Angaben stammen direkt von den Anbietern (Stand: Oktober 2026).
| Zertifikat | Für wen | Kosten | Sprache und Hinweise |
|---|---|---|---|
| ISC2 Certified in Cybersecurity (CC) | Einsteiger ohne Vorerfahrung | 199 US-Dollar, danach 50 US-Dollar pro Jahr | auch auf Deutsch; Gratisprogramm seit 20. Mai 2026 geschlossen |
| CompTIA Network+ | Netzwerkgrundlagen als Vorstufe | 399 US-Dollar | auch auf Deutsch; empfohlen sind A+ und 9 bis 12 Monate Praxis |
| CompTIA Security+ | Einsteiger mit IT-Grundlagen | 439 US-Dollar | nicht auf Deutsch; Version SY0-801 ab 17. November 2026; gilt drei Jahre |
| BSI IT-Grundschutz-Praktiker | GRC, öffentliche Verwaltung | je nach Schulungsanbieter | auf Deutsch; 24 Unterrichtseinheiten oder Selbststudium |
| ISO/IEC 27001 Foundation | Informationssicherheit, Audits | Kurs inklusive Prüfung | keine Voraussetzungen; etwa zwei Schulungstage |
Die Angaben stammen von ISC2, von CompTIA (Network+, Security+ V7, Security+ V8), vom BSI und vom Zertifizierer PECB.
Nicht für den Einstieg gedacht sind CompTIA CySA+, für das CompTIA rund vier Jahre Praxis im SOC empfiehlt, das OSCP für Penetrationstester und das CISSP, das fünf Jahre Berufserfahrung voraussetzt. Diese Zertifikate werden erst nach den ersten Berufsjahren interessant.
Welches zuerst? Willst du ins SOC, ist Security+ eine gängige Wahl, weil es herstellerunabhängig Netzwerksicherheit, Bedrohungen und Schutzmaßnahmen abdeckt. CompTIA empfiehlt dafür Network+ und zwei Jahre Praxis, Pflicht ist das aber nicht. Plane genug Zeit für das Englisch der Prüfung ein. Zieht es dich Richtung GRC, passen der IT-Grundschutz-Praktiker, den du komplett auf Deutsch ablegst, oder eine ISO-27001-Foundation besser. Das ISC2 CC ist ein günstiger erster Nachweis, wenn du ganz ohne Vorkenntnisse startest.
Realistische Einstiegswege
- Praktikum oder Werkstudentenjob in einer IT-Abteilung oder bei einem Sicherheitsdienstleister. Oft der schnellste Weg, weil du Kontakte knüpfst, bevor eine Stelle überhaupt ausgeschrieben wird. Als Werkstudent arbeitest du allerdings nur bis zum Ende des Studiums: Laut Rundschreiben der Sozialversicherungsträger endet der Status mit Ablauf des Monats, in dem du das Gesamtergebnis deiner Prüfung offiziell mitgeteilt bekommst. Tipps für die Suche findest du in unserem Ratgeber zum Praktikumsplatz.
- Junior-Analyst im Security Operations Center (SOC). Hier werden Warnmeldungen bewertet und Vorfälle eskaliert. Die Arbeit findet häufig im Schichtdienst statt, dafür lernst du in kurzer Zeit sehr viel.
- IT-Support als Sprungbrett. Wer ein bis zwei Jahre im Support oder in der Administration arbeitet, kennt die Systeme von innen und wechselt danach oft intern in die Sicherheit.
- Traineeprogramme von Beratungen und größeren Unternehmen, die gezielt Absolventinnen und Absolventen verschiedener Fächer ausbilden.
- Öffentlicher Dienst beim BSI, bei anderen Bundesbehörden oder der Bundeswehr. Dazu gleich mehr.
Bei der Jobsuche lohnt es sich, nach den richtigen Bezeichnungen zu suchen. Einstiegsstellen heißen oft Junior Security Analyst, SOC Analyst, IT Security Specialist oder Junior Consultant Informationssicherheit. Im Compliance-Bereich findest du Titel wie GRC Analyst oder Junior-Informationssicherheitsbeauftragter. Wie du deine Übungsprojekte im Lebenslauf sichtbar machst, entscheidet oft darüber, ob du überhaupt zum Gespräch eingeladen wirst.
Einstieg im öffentlichen Dienst: BSI, Bundeswehr und Co.
Ein unterschätzter Arbeitgeber ist der Staat. Neben dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) suchen auch die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) und die Bundeswehr IT-Sicherheitsfachleute. Ausschreibungen des Bundes findest du auf service.bund.de und interamt.de.
Bezahlt wird nach Tarif. Laut Karriereseite des BSI soll die Einstellung zum Beispiel in Entgeltgruppe E 10 oder E 11 erfolgen, grundsätzlich in Stufe 1. Nach der Entgelttabelle TVöD Bund sind das seit Mai 2026 4.124,53 Euro (E 10) beziehungsweise 4.269,64 Euro (E 11) brutto im Monat. Stellen für Masterabsolventen sind meist höher eingruppiert, E 13 liegt in Stufe 1 bei 4.901,11 Euro.
Dafür gibt es eine Hürde, die in der Privatwirtschaft seltener ist: die Sicherheitsüberprüfung. Beim BSI wird in jedem Fall mindestens eine einfache Sicherheitsüberprüfung (Ü1) durchgeführt, an der das Bundesamt für Verfassungsschutz beteiligt ist, in einzelnen Bereichen auch eine erweiterte. Bis zur Entscheidung über deine Bewerbung rechnet das BSI insgesamt mit acht bis zehn Wochen. Für die Laufbahn als IT-Sicherheitsexperte bei der Bundeswehr brauchst du die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Studium in diesem Bereich.
Was verdienst du als Einsteiger in der IT-Sicherheit?
Verlässliche Einstiegsgehälter sind schwer zu finden. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit wertet echte Meldedaten der Sozialversicherung aus, weist für unter 25-Jährige in IT-Sicherheitsberufen aber wegen zu weniger Fälle keine Werte aus. Über alle Altersgruppen sieht es so aus:
| Berufsgruppe | Beispiele | Median | Ein Viertel verdient weniger als |
|---|---|---|---|
| IT-Sicherheit auf Expertenniveau | IT-Sicherheitskoordinator, Ethical Hacker, IT-Forensiker | 6.680 € | 5.235 € |
| IT-Sicherheit auf Spezialistenniveau | Informationssicherheitsbeauftragter, IT-Sicherheitstechniker | 6.313 € | 4.881 € |
| Zum Vergleich: Softwareentwicklung auf Expertenniveau, unter 25 Jahre | junge Entwickler mit Studium | 4.157 € | 3.554 € |
Die Medianwerte enthalten viele erfahrene Fachkräfte und liegen deshalb deutlich über dem, was du zum Start erwarten kannst. Außerdem fasst die BA die IT-Sicherheitsberufe mit anderen IT-Spezialberufen zusammen. Einen realistischeren Anker liefert der öffentliche Dienst mit rund 4.100 bis 4.900 Euro brutto im Monat. Das Portal get in IT nennt für Bachelorabsolventen in der IT-Sicherheit 46.700 bis 53.800 Euro im Jahr. Solche Portalwerte stammen aus Gehaltsdatenbanken und sind nicht repräsentativ.
Im SOC kommen Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit hinzu, die bis zu bestimmten Grenzen steuerfrei sind. Worauf du bei Gehalt und Probezeit achten solltest, steht in unserem Ratgeber zum ersten Arbeitsvertrag.
Finanzierung: So funktioniert der Bildungsgutschein
Wenn dir die technischen Grundlagen fehlen, ist eine strukturierte Weiterbildung ein direkter Weg, sie aufzubauen. Die Kosten musst du dafür nicht unbedingt selbst tragen. Bist du nach dem Studium arbeitslos gemeldet, kann dir die Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein ausstellen, auch ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld. Seit 2025 gilt das auch, wenn du Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) vom Jobcenter bekommst: Über die Weiterbildung entscheidet und zahlt dann ebenfalls die Agentur für Arbeit. Während des Studiums klappt das in der Regel nicht, weil bei Studierenden nach § 139 SGB III vermutet wird, dass sie nur versicherungsfreie Jobs ausüben können. Arbeitslos im Sinne des Gesetzes bist du dann nicht.
Rechtsgrundlage ist § 81 SGB III. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Die Weiterbildung ist notwendig, damit du beruflich Fuß fasst, die Agentur hat dich vor Beginn beraten, und Kurs und Träger sind nach der AZAV zugelassen. Einen Rechtsanspruch hast du nicht. Die Agentur entscheidet nach Ermessen, und Arbeitslosigkeit allein reicht laut den fachlichen Weisungen der BA nicht als Begründung. Gute Karten hast du, wenn du ein klares Berufsziel und Stellenanzeigen mitbringst, die genau die Qualifikation verlangen, die der Kurs vermittelt.
Eine Cybersecurity-Weiterbildung mit Bildungsgutschein dauert in Vollzeit meist zwischen einigen Monaten und etwa einem Jahr und bereitet in der Regel auf anerkannte Zertifikatsprüfungen vor. Solche Programme sind in Module gegliedert. Am Anfang stehen Netzwerke, Betriebssysteme und erste Programmierkenntnisse, danach folgen Angriffs- und Verteidigungstechniken, Cloud-Sicherheit und die Überwachung von Systemen. Zum Abschluss kommen die Zertifikatsprüfungen und, je nach Anbieter, ein Praktikum in einem Unternehmen.
Schritt für Schritt zum Bildungsgutschein
- Arbeitslos melden. Melde dich nach dem Abschluss bei der Agentur für Arbeit arbeitslos, auch wenn du kein Arbeitslosengeld bekommst. Was dabei zu beachten ist, steht in unserem Ratgeber Arbeitslos nach dem Studium.
- Beratung vereinbaren. Bring dein Berufsziel, passende Stellenanzeigen und, wenn du schon einen hast, einen Wunschkurs mit. Im Gespräch klärt die Agentur, ob die Weiterbildung notwendig ist.
- Kurs finden. Zugelassene Angebote findest du in der Weiterbildungssuche von „mein NOW“ (früher KURSNET).
- Gutschein einlösen. Der Bildungsgutschein gilt laut BA-Weisung höchstens drei Monate, ist auf ein Bildungsziel festgelegt und bei Präsenzkursen in der Regel auf deinen Tagespendelbereich beschränkt. Du legst ihn vor Kursbeginn beim Träger vor.
Und das Arbeitslosengeld?
Hast du Anspruch auf Arbeitslosengeld, läuft es während einer geförderten Weiterbildung in der Regel weiter. Dein Restanspruch sinkt dabei aber um einen Tag für je zwei Weiterbildungstage, mindestens drei Monate bleiben dir erhalten (§ 148 SGB III).
Direkt nach dem Studium hast du allerdings meist gar keinen Anspruch. Dafür brauchst du zwölf Monate versicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten 30 Monaten (§ 142 und § 143 SGB III), und Werkstudentenjobs sind in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Ohne Anspruch finanzierst du die Zeit der Weiterbildung selbst oder beantragst, wenn dein Geld nicht reicht, Grundsicherungsgeld beim Jobcenter.
Checkliste: So wählst du einen Anbieter aus
- Sind Träger und Kurs nach AZAV zugelassen? Das zeigt die Weiterbildungssuche von „mein NOW“. Eine Zulassung heißt aber nicht, dass die Agentur den Kurs automatisch bezahlt.
- Welche Prüfungen sind enthalten, sind die Prüfungsgebühren abgedeckt, und in welcher Sprache legst du sie ab?
- Wie hoch ist der Praxisanteil? Frag nach Laborumgebungen, Projekten und konkreten Beispielaufgaben.
- Gibt es ein Praktikum oder Kontakte zu Unternehmen, und unter welchen Bedingungen?
- Wie wird betreut? Feste Ansprechpartner und Mentoring machen bei einem Vollzeitprogramm einen großen Unterschied.
- In welcher Sprache wird unterrichtet, und passt das Format zu dir, also Vollzeit oder Teilzeit, online oder vor Ort?
- Welche Zahlen nennt der Anbieter zu Abschlüssen und Jobeinstieg, und wie werden sie erhoben? Seriöse Anbieter erklären das offen.
- Vorsicht bei Versprechen wie einer Jobgarantie oder „in acht Wochen zum Pentester“.
Dein Fahrplan für die ersten zwölf Monate
Mit einem Plan wird aus dem Quereinstieg ein Projekt mit Etappen. So kann er aussehen, wenn du im letzten Semester startest:
- Letztes Semester: Teste die Grundlagen mit kostenlosen Übungen, leg dich auf eine Zielrolle fest (SOC, GRC oder Awareness) und such dir ein Praktikum oder einen Werkstudentenjob mit Sicherheitsbezug. Vielleicht passt sogar das Thema deiner Abschlussarbeit.
- Monat 1 bis 2 nach dem Abschluss: Arbeitslos melden, Beratungsgespräch führen, Kurs auswählen. Parallel bewirbst du dich auf Trainee- und Juniorstellen.
- Monat 3 bis 9: Weiterbildung oder Selbststudium, Übungslabor aufbauen, jede Übung dokumentieren und das erste Zertifikat ablegen.
- Monat 10 bis 12: Gezielt bewerben, Berichte und Projekte im Lebenslauf verlinken und im Bewerbungsgespräch konkret von deinen Übungen erzählen.
Wie du über das erste Jahr hinaus planst, liest du in unserem Beitrag zur Karriereplanung nach dem Studium.
Häufige Fragen zum Quereinstieg in die IT-Sicherheit
Kann ich ohne Informatikstudium in die IT-Sicherheit einsteigen?
Ja. In der Bitkom-Befragung 2025 waren 27 Prozent der neu eingestellten IT-Fachkräfte Quereinsteiger, und das BSI sucht ausdrücklich auch Absolventen aus Jura, BWL oder Politikwissenschaft. Am realistischsten sind Rollen im SOC und im GRC-Bereich. Grundlagen musst du trotzdem nachweisen, etwa mit einem Zertifikat und dokumentierten Übungen.
Welches Zertifikat sollte ich als Erstes machen?
Das hängt von deiner Zielrolle ab. Für das SOC ist CompTIA Security+ eine gängige Wahl (439 US-Dollar, Prüfung nicht auf Deutsch). Für GRC passen der BSI IT-Grundschutz-Praktiker oder eine ISO-27001-Foundation. Wer ganz ohne Vorkenntnisse startet, kann mit dem ISC2 Certified in Cybersecurity beginnen, das 199 US-Dollar kostet und auch auf Deutsch angeboten wird.
Gibt es CompTIA Security+ auf Deutsch?
Nein. Die aktuelle Version SY0-701 gibt es auf Englisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch und Thai, die neue Version SY0-801 ab dem 17. November 2026 nur auf Englisch. Auf Deutsch kannst du zum Beispiel das ISC2 CC, CompTIA Network+ und den IT-Grundschutz-Praktiker ablegen.
Bekomme ich als Hochschulabsolvent einen Bildungsgutschein?
Das ist möglich, wenn du arbeitslos gemeldet bist und die Agentur für Arbeit die Weiterbildung für notwendig hält, um dich in Arbeit zu bringen. Einen Anspruch auf Arbeitslosengeld brauchst du dafür nicht. Einen Rechtsanspruch gibt es aber nicht, die Agentur entscheidet nach Ermessen. Während des Studiums bekommst du in der Regel keinen Bildungsgutschein.
Bekomme ich während der Weiterbildung Arbeitslosengeld?
Nur, wenn du vorher einen Anspruch erworben hast. Dann läuft das Arbeitslosengeld weiter, dein Restanspruch sinkt aber um einen Tag je zwei Weiterbildungstage. Die meisten Absolventen haben keinen Anspruch, weil Werkstudentenjobs nicht arbeitslosenversichert sind. Dann bleibt bei Bedarf das Grundsicherungsgeld.
Was verdient man als Einsteiger in der IT-Sicherheit?
Im öffentlichen Dienst des Bundes startest du in E 10 oder E 11 mit rund 4.100 bis 4.300 Euro brutto im Monat, mit Master auf entsprechender Stelle in E 13 mit rund 4.900 Euro. Gehaltsportale nennen für Bachelorabsolventen in der Privatwirtschaft 46.700 bis 53.800 Euro im Jahr. Im Schichtdienst kommen Zuschläge hinzu.
Muss ich im SOC Schicht arbeiten?
Oft ja. Viele Security Operations Center überwachen Systeme rund um die Uhr, Einsteiger arbeiten deshalb häufig im Schichtdienst. Für Nachtarbeit gibt es Zuschläge oder Freizeitausgleich, und Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sind bis zu bestimmten Grenzen steuerfrei. Es gibt aber auch SOC-Stellen mit festen Tagschichten, frag im Gespräch gezielt nach.
Brauche ich Programmierkenntnisse?
Für den Einstieg im SOC oder im GRC-Bereich musst du nicht programmieren können wie ein Entwickler. Grundkenntnisse in Python oder PowerShell helfen aber, etwa um Logdaten auszuwerten oder kleine Aufgaben zu automatisieren. Für Penetration Testing und Security Engineering sind Programmierkenntnisse deutlich wichtiger.
Brauche ich eine Sicherheitsüberprüfung?
Bei vielen Unternehmen nicht, bei Behörden wie dem BSI dagegen immer. Dort wird mindestens eine einfache Sicherheitsüberprüfung (Ü1) nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz durchgeführt. Auch Unternehmen, deren Beschäftigte Zugang zu Verschlusssachen bekommen, verlangen sie.
Fazit
Die IT-Sicherheit ist eines der wenigen Felder, in denen ein Quereinstieg nach dem Studium keine Ausnahme ist. Entscheidend ist, dass du die technischen Grundlagen nachweisbar aufbaust und dein bisheriges Studium dort einbringst, wo es passt, etwa im GRC-Bereich. Mit einem Plan für die ersten zwölf Monate und einer geklärten Finanzierung ist der Einstieg realistisch, auch wenn der Markt 2026 wählerischer geworden ist.