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Erasmus und BAföG kombinieren Auslandssemester finanzieren

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Auslandsbafög und Erasmus+ lassen sich kombinieren: Wie viel vom Erasmus-Zuschuss anrechnungsfrei bleibt und mit wie viel Förderung du 2026 rechnen kannst.
Erasmus

Wusstest du, dass du zusätzlich zum BAföG ein Stipendium beantragen kannst oder im Falle eines Auslandssemesters sogar musst? Begabungs- und leistungsabhängige Stipendien bleiben bis 300 Euro im Monat beim BAföG anrechnungsfrei (§ 21 Abs. 3 Nr. 2 BAföG), und dasselbe gilt für den Erasmus-Zuschuss – egal, ob du im In- oder Ausland studierst.

Für ein Auslandsjahr in der EU kommen so 2026 rund 1.334 Euro im Monat aus BAföG und Erasmus-Zuschuss zusammen (Rechnung unten). Innerhalb der EU und der Schweiz fördert das BAföG dein Studium bis zum Abschluss, außerhalb grundsätzlich ein Jahr, in besonderen Fällen bis zu fünf Semester (§ 16 BAföG).

Voraussetzungen und Höhe der Förderung im Ausland

Im Gegensatz zum BAföG gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Stipendien. Die Voraussetzungen unterscheiden sich also maßgeblich. Für  Erasmus kann dein Notendurchschnitt, Sprachkenntnisse sowie die Motivation ausschlaggebend sein, während diese Kriterien fürs BAföG keine Rolle spielen. Gleichzeitig wird staatliche Ausbildungsförderung gemäß Bundesausbildungsförderungsgesetz abgelehnt, wenn du oder deine Eltern über ein gewisses Einkommen verfügen und ihr somit rechnerisch nicht bedürftig seid.

Förderhöhe und Voraussetzungen Erasmus+

Um am Erasmus Programm teilnehmen zu können, musst du dich mindestens im 2. Semester deines Bachelorstudiums befinden. Die Bewerbung und Organisation läuft über deine Uni in Deutschland.  Wer den Auslandsaufenthalt komplett organisieren möchte oder muss, weil das Zielland nicht zu Erasmus+ passt, findet hier weitere Auslandsstipendien. Die Höhe des Stipendiums hängt vom Zielland ab und ist unabhängig vom Einkommen deiner Eltern. Eine Erasmus Bewerbung lohnt sich also immer, wenn du in einem der 32 anderen Programmländer studieren oder ein Praktikum machen willst. Erst recht, wenn deine Eltern zu viel für BAföG verdienen.

Erasmus+-Förderraten für Studienaufenthalte 2026/27
monatliche FörderrateZielland
600 EuroBelgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Island, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden
540 EuroBulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Nordmazedonien, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn, Zypern

Die Raten legt der DAAD fest, wie viele Monate gefördert werden, entscheidet deine Hochschule. Für Praktika gibt es 150 Euro im Monat zusätzlich (Erasmus+-Programmleitfaden 2026), für Studierende mit Kind, Behinderung oder chronischer Krankheit und für Erstakademiker einen Aufschlag von 250 Euro im Monat. Dazu kommt eine Reisekostenpauschale nach Entfernung, die bei umweltfreundlicher Anreise höher ausfällt.

Förderhöhe und Voraussetzungen Auslandsbafög

Um BAföG für deinen Auslandsaufenthalt zu erhalten, musst du mindestens  sechs Monate oder ein Semester außerhalb Deutschlands studieren, die Schule besuchen oder ein Praktikum absolvieren. Die Höhe und Dauer der Förderung hängt von deinem Zielland ab, ansonsten gelten dieselben BAföG Voraussetzungen wie in Deutschland. Außerdem solltest du während deines Auslandsaufenthalts deinen Erstwohnsitz in Deutschland behalten.

Auslandsbafög und Erasmus kombinieren

Für ein Studium im Ausland steht dir Auslandsbafög zu: der normale Bedarf von bis zu 992 Euro plus Zuschläge für die Reise (je 250 Euro für Hin- und Rückreise innerhalb Europas, sonst je 500 Euro), für Studiengebühren (bis 5.600 Euro für ein Jahr) und außerhalb der EU und der Schweiz je nach Land ein Kaufkraftzuschlag (BAföG-AuslandszuschlagsV). Für eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung gibt es pauschal 102 Euro im Monat. Wie im Inland ist die Hälfte ein zinsloses Darlehen, zurückzahlen musst du höchstens 10.010 Euro; die Studiengebühren gibt es als Vollzuschuss (§ 17 BAföG).

Vom Erasmus-Zuschuss bleiben 300 Euro im Monat anrechnungsfrei, der Rest mindert dein BAföG. Ob du 540 oder 600 Euro bekommst, macht als BAföG-Empfänger deshalb keinen Unterschied. Ein Beispiel für ein Auslandsjahr in Frankreich: 992 Euro Bedarf plus 41,67 Euro Reisekostenzuschlag (500 Euro auf zwölf Monate verteilt) ergeben 1.033,67 Euro. Vom Erasmus-Zuschuss über 600 Euro werden 300 Euro angerechnet, das BAföG sinkt auf 733,67 Euro. Zusammen mit Erasmus kommst du auf 1.333,67 Euro im Monat.

Außerhalb der EU und der Schweiz gibt es Auslandsbafög grundsätzlich für ein Jahr. Achtung: Norwegen, Island, Liechtenstein, die Türkei, Serbien und Nordmazedonien sind Erasmus-Länder, gelten beim BAföG aber als Nicht-EU. Zum Bedarf kommen dort je 500 Euro für Hin- und Rückreise, bis zu 5.600 Euro Studiengebühren und je nach Land ein Kaufkraftzuschlag – für Bewilligungszeiträume ab Juli 2026 zum Beispiel 52 Euro in den USA und 128 Euro in Japan, in den meisten Ländern nichts. Leistungsabhängige Stipendien, etwa vom DAAD, bleiben auch hier bis 300 Euro im Monat anrechnungsfrei.

Abgesehen davon darfst du 2026 im Schnitt bis zu 603 Euro brutto im Monat hinzuverdienen, ohne dass dein BAföG sinkt – im Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten also 7.236 Euro. Beim BAföG-Freibetrag ist wichtig, dass es sich bei dem Verdienst nicht um die Vergütung aus einem Pflichtpraktikum handelt, die wird voll angerechnet. Im Beispiel oben stünden dir mit einem Minijob also rund 1.937 Euro im Monat zur Verfügung.

Keinen BAföG Antrag zu stellen ist nahezu immer ein Fehler. Erst kürzlich erzählte mir ein Student, dass er die ersten beiden Studienjahre in Holland mit Mühe und Not allein finanziert hat, weil er annahm, dass sich ein BAföG Antrag aufgrund des elterlichen Einkommens nicht lohnen würde. Er wusste nichts von elternunabhängigem BAföG und dass er die Voraussetzungen dafür erfüllte. Das hat er erst durch uns erfahren und dann doch noch für die letzten 2 Semester Auslandsbafög beantragt. Leider sind ihm schon mehrere tausend Euro Fördergelder dadurch verloren gegangen, da BAföG niemals rückwirkend beantragt werden kann, aber durch seine Erfahrung bin ich auf die Idee für diesen Artikel gekommen und hoffe, dass du dein Recht auf Ausbildungsförderung von Anfang an in Anspruch nimmst. Wir helfen dir auch gern dabei, wenn du willst:

Wie beantragt man Auslandsbafög?

Zunächst einmal besorgst du dir folgende BAföG Formulare:

  • Formblatt1
  • Anlage 1 zu Formblatt 1
  • Anlage 2 zu Formblatt 1 (wenn du Kinder hast)
  • 2x Formblatt 3 / je eins für deine Mutter und deinen Vater (sofern dir bisher kein elternunabhängiges BAföG bewilligt wurde)
  • Formblatt 5 ( erst ab dem 5. Semester notwendig)
  • Formblatt 6
  • Formblatt 7 (wenn ein oder beide Elternteile aktuell deutlich weniger als im vorletzten Kalenderjahr verdienen)
  • Formblatt 8 (wenn ein oder beide Elternteile ihr Einkommen nicht offenlegen oder nicht erreichbar sind)

Es sind also mindestens fünf offizielle Antragsformulare notwendig + weitere Unterlagen, die deine Angaben in den Formularen bestätigen. Außerdem gibt es inoffizielle Formulare, die nur von bestimmten Ämtern verlangt werden wie z.B. Zusatzerklärungen zu Stipendien oder der Unterkunft im Ausland.

Wo beantragt man Auslandsbafög?

Wo du deinen Antrag abgibst, hängt vom Zielland ab: Für Frankreich ist zum Beispiel die Kreisverwaltung Mainz-Bingen zuständig, für Spanien das Studierendenwerk Heidelberg, für Italien ein Amt in Berlin. Die vollständige, geprüfte Liste aller Auslandsämter mit Anschrift, Telefon und E-Mail steht in unserem Überblick zum Auslands-BAföG.