Warum du dich heute noch für ein Stipendium bewerben solltest

Warum du dich heute noch für ein Stipendium bewerben solltest

Ein Stipendium ist eh nur was für die Besten der Besten…

stipendium bewerbung

… so ein Blödsinn, aber dieses Ammenmärchen habe ich immer geglaubt und war eher abgeschreckt, als mir ein Kommilitone nahelegte mich doch mal bei der Hans Böckler Stiftung (HBS) zu bewerben. Aufgrund meines Engagements hätte ich gute Chancen. Ja, ja, aber das was ich gemacht habe, hätte doch jeder oder jede andere auch getan.

Falsch!

Ob eine Person für ein Stipendium geeignet ist oder nicht, hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab und ja, ein bisschen Glück ist auch dabei.

Es gibt verschiedene Verfahren um sich für ein Stipendium bei der HBS zu bewerben. Als Gewerkschaftsmitglied können Studierende sich über das gewerkschaftliche Verfahren bewerben. Es gibt dann noch Stipendien für Menschen, die direkt aus dem Abi ins Studium starten oder sich für einen zweiten Bildungsweg interessieren. Ich für meinen Teil, als gesellschaftspolitische Engagierte, aber keiner Gewerkschaft angehörig, habe mich über das ergänzende Verfahren bei der HBS beworben.

Ja, ich war so mutig. Habe alle Unterlagen eingereicht und mich an die Stipendiat*innengruppe der HBS gewandt. Denn für eine vollständige Bewerbung benötigen Interessierte ein Gutachten der Stips, welches ein Bild der Person widerspiegeln soll und ein Gutachten der Vertrauensdozentinnen, welches Auskunft zur Studierfähigkeit gibt.

Man, war ich aufgeregt!

Aber beide Gespräche waren sehr aufschlussreich, auch für mich selbst. Mir war gar nicht bewusst auf wie vielen Hochzeiten ich eigentlich tanzte :)

Und dann: Rückstellung! Die Stiftung sah Potential, wollte aber sehen, wie ich mich entwickeln werde.

Ein halbes oder ganzes Jahr später durfte ich das gesamte Procedere wiederholen. Das war aber nicht schlimm, denn ich habe wieder sehr nette und engagierte Menschen kennengelernt. Dann kam die Zusage und ich bekam es mit der Angst.

Kann ich dem Stipendium überhaupt gerecht werden?

Was wird von mir erwartet? Zuspruch aus meinem studentischen Umfeld half um mich zu erden und das Geschenk anzunehmen.

Und ja es ist in der Tat ein Geschenk und das Beste, was mir hätte passieren können. Ich bekomme nicht nur eine finanzielle Förderung für mein Studium, viel wichtiger ist die ideelle Förderung.

Warum ein Stipendium das beste ist, was dir als Student passieren kann

Die finanzielle Förderung wird aus den gleichen Töpfen und zu den gleichen Bedingungen wie Bafög ausgezahlt. Sprich, wenn du Bafög berechtigt bist, kannst du auch finanziell gefördert werden. Und ja, ein Stipendium musst du nicht zurückzahlen!

Unabhängig davon kannst du ideell gefördert werden. Und das ist der eigentliche Hauptgewinn!

Die HBS bietet eine Vielzahl an Seminaren, Forschungsreisen und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Das habe ich bisher von keiner Stiftung so erlebt/ gehört.

Mit der Hilfe weiterer Stips konnte ich bereits ein Seminar zum Thema Social Business in Berlin organisieren und durchführen und plane ein Anschlussseminar im Baskenland und Portugal. Des weiteren gibt es Seminare an denen ich teilnehmen kann und mein Engagement ausbauen, mich weiterentwickeln und mich vernetzen kann. Und wenn es mal ein Tief gibt, dann findet sich auf den unzähligen stipendiatischen Veranstaltungen wenigstens eine Person mit der ich mich austauschen kann und neue Energie schöpfe. Es ist sehr inspirierend mit diesem bunten Haufen!

Wenn mich jemand nach den Vor- und Nachteilen von Stipendien fragen würde, könnte ich mit den Vorteilen wohl lange nicht aufhören. Ich denke nun schon eine Weile über Nachteile nach…Hhm, vielleicht die Abstimmungsprozesse, die manchmal ganz schön langwierig sein können. Aber hat man die nicht in jeder Arbeitsgruppe…?!? Also ist es per se kein Nachteil eines Stipendiums! Also Leute, BEWERBT EUCH! Wenn ihr Zweifel habt, dann lasst andere entscheiden. Zu guter Letzt habt ihr es wenigsten probiert!

Was ihr bei der Bewerbung um ein Stipendium beachten solltet

Bleibt authentisch! Macht euch nicht größer oder kleiner als ihr seid. Reflektiert euren eigenen Werdegang, die einzelnen Stationen eures Lebens. Warum sind Dinge so passiert, wie sie eben passiert sind? Und ganz wichtig, setzt euch mit der jeweiligen Stiftung auseinander. Passen deren Ziele zu euren? Meine obige Sicht, schreibe ich aus der Sicht einer Hans Böckler Stipendiatin. Es gibt aber eine Vielzahl von Stiftungen oder auch Bildungsförderwerke genannt, die da draußen auf euch warten!

Besten der Besten, ja – aber das muss sich nicht immer auf die Noten, Studienzeiten, Arbeits- und Auslandserfahrung beziehen. Oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, also sprecht mit Leuten, die Erfahrung haben. Die findet ihr im besten Fall in der Studienberatung, bei arbeiterkind.de oder auch bei eurem AStA bzw. StuPa.

Habt Mut!

Danke Jenny für deinen Beitrag aus Sicht einer Stipendiatin, die ohne den Schubs von außen, vielleicht nie eine geworden wäre!

Und die Moral von der Geschicht?

Bewirb dich verdammte Axt! Was hast du schon zu verlieren? Das schlimmste, was passieren kann, ist eine Absage. Und weiter? Ja nichts! Und genau darum geht’s. Probieren geht über studieren. Wenn du dich nicht bewirbst, wirst du nie erfahren, ob du eine Chance gehabt hättest.

Ich bin daran gescheitert, dass ich zu lange gewartet habe, weil ich nicht daran geglaubt habe, dass ich gut genug für ein Stipendium bin. Jenny hatte mehr Glück. Sie hat gerade noch die Kurve gekriegt. Durch ihr Stipendium haben sich unwahrscheinlich viele Möglichkeiten für sie ergeben, eigene Projekte voranzubringen und sie häuft im Gegensatz zu mir und allen anderen BAföG-Empfängern keine Schulden an. Sie hat sich dieses Stipendium redlich verdient, genau wie du! Also worauf wartest du noch? Schmeiß die Suchmaschine an und check deine Möglichkeiten! Los bevor meine Daumen blau anlaufen!

Und vergiss nicht, mir zu erzählen, wie’s gelaufen ist!

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GLAUB NICHT ALLES, WAS DU DENKST

Während meines Studiums war ich Mutter, Stipendiatin, Gutachterin für Studiengangsakkreditierungen, nebenberufliche Frauenbeauftragte, Gutachterin der Hans- Böckler-Stiftung für die Vergabe von Stipendien, Vorsitzende einer studentischen Elterninitiative, Fotografin und eben Studentin. Dass ich all das gleichzeitig packen würde, hätte ich vorher auch nicht geglaubt, aber es ging erstaunlich gut und ich bin kein Stück schlauer oder besser als du. Ich habe Ziele erreicht, die ich mir nichtmal zugetraut hatte, sie mir vorzunehmen. Man wächst mit seinen Aufgaben und du kannst es auch schaffen!

Jenny Stiebitz, M.A. Funraiserin "mehr als Lernen eV"
  • Evelyn sagt:

    Hallo Luisa & Jenny,
    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel.

    Meine Fragen sind:

    1)Kann man sich auch mitten im Studium (Anfang desersten Semesters) für ein Stipendium bewerben?

    2)Ich habe vor BaföG zu beantragen und dann nebenbei ein kleineres Stipendium zu bekommen (mit freibetrag von 300€). Wer bietet solches an oder kann man das dann bei der Bewerbung angeben, dass man nicht mehr als 300€ braucht?

    3)Wie viel Könnte man mit einem Vollstipendium bekommen? Wäre es höher als der Höchstsatz im BaföG ?

    • Luisa sagt:

      Hey Evelyn,

      ja kann man, Jenny war im 3. Semester als sie sich zum ersten Mal für ein Stipendium bewarb.

      Ein Stipendium eines Begabtenförderungswerks und BAföG schließen sich aus (unabhängig von der Höhe des Stipendiums), aber das Deutschlandstipendium, das von den Hochschulen direkt vergeben wird beträgt nur 300€ monatlich und wird nicht ans BAföG angerechnet.

      Die Stipendien der Begabtenförderungswerke und BAföG werden ähnlich berechnet. En Vollstipendium ist in der Regel jedoch etwas höher, da es zusätzlich noch Büchergeld in Höhe von 300€ monatlich gibt.

      LG Luisa

  • Jahn sagt:

    Ein mitreißender Artikel der zum Handeln anregt! 🙂

    Gerade weil so viele der Meinung sind, sie würden ja doch nie ein Stipendium bekommen bewerben sich nur die wenigsten. Dadurch ist die Chance ein Stipendium zu bekommen in Wirklichkeit sogar noch größer!

    Ich selbst habe im Laufe meines Studiums eine Vielzahl an Förderungen erhalten. Mein Semester in den USA beispielsweise, wäre ohne Stipendium für mich unmöglich zu finanzieren gewesen. Sogar eine Leistungsförderung habe ich in einem Semester erhalten, mit der ich wegen meiner Durchschnittsnote niemals gerechnet hatte, einfach weil sich kaum jemand mit besseren Noten um die Förderung beworben hat!

    Wenn man sich ein wenig mit dem Thema auseinandersetzt findet man eine Menge Informationen, die einen schnell einschüchtern oder erschlagen können.
    Es gibt jedoch auch Portale wie Stipendienlotse, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen, einen tollen Überblick geben über viele Stipendien, die man sich vorher zum Teil garnicht vorstellen konnte. Dort finden sich auch allerhand Tipps zur Bewerbung.

    Ich kann auch nur jedem raten: Macht euch die Mühe, recherchiert nach Programmen, die für euch in Frage kommen und bewerbt euch!

    Wobei ich euch raten würde euch immer etwas besser zu machen als ich euch selbst einschätzt. Wenn es eine Möglichkeit etwas, das ihr getan habt zu nutzen, um euch in ein besseres Licht zu rücken, dann gebt das auf jeden Fall an. Bescheidenheit ist an anderer Stelle angebrachter!

    Grüße
    Jahn

    • Luisa sagt:

      Hey Jahn,

      danke, dass du deine Erfahrung mit uns teilst! Ich glaub wir alle neigen dazu uns häufig kleiner zu machen, als wir sind. Von daher ist dein Tipp sich gefühlt etwas größer zu machen, sicher nicht verkehrt. Vielleicht schafft man damit in etwa das zu zeigen, was wirklich in einem steckt 🙂

      Liebe Grüße,
      Luisa

  • Auch für den Aufenthalt im Ausland kann man Stipendien bekommen. Meinen Schwedenaufenthalt hat das Svenska Institutet finanziert, durch Kost, Logis und Taschengeld in einer Folkhögskola. Also nicht nur da nach Stipendien suchen wo ihr seid, sondern auch dort, wo ihr hinwollt.

    • Luisa sagt:

      Guter Hinweis! Da ich selbst Auslandsbafög beziehen werde, hatte ich das Thema Stipendium in diesem Zusammenhang gar nicht richtig auf dem Schirm.

      Danke dafür!

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